BUDGET
IN-EAR

VX

TRN

Wertung

Preis

8

70 €

Review published:

06/2020

Hifigo.jpg
Company.png

Treiber

7

pro Seite

1

Dynamisch

6

Balanced

Widerstand

22 Ohm

PZ/ES/PL

0

Klang

8

Bass

7.5

Mitten

8

Höhen

Empfindlichkeit

107 dB

7.8

Handling

9

Haptik

C

Value

0

Alltag

Frequenzgang

7 - 40000 Hz

Intro

Die CHI-FI-Welt scheint schier endlos und überwältigend an Vielfalt und technischen Fortschritt.
Auf den ersten Blick mag das so sein, schaut man aber ein bisschen genauer hin, beginnt man schnell hinter die Zusammenhänge und Absprachen zu steigen. Vor allem die Markenvielfalt reduziert sich dabei recht schnell, besonders im Budgetbereich.

Produkte werden ständig neu frisiert und ohne erkennbaren klanglichen Fortschritt, oder technischer Erneuerung unter neuem Namen und mit Lobpreisungen neu vermarktet. Vor allem scheint nach wie vor die Anzahl an Treibern viele Konsumenten zum Drücken des Kaufbutten zu verführen, da oftmals der Konsens herrscht, dass viele Treiber auch einen besseren Klang bedeuten. Das mag im High-End vielleicht vermehrt sogar zutreffen, allerdings steht dann da auch eine ganz andere Entwicklung dahinter und vor allem Treiber-Implementierung (aber auch hier gibt es Negativbeispiele, nur nicht in dem Verhältnis).

CCA und KZ (Tochterfirmen) zeigen mit den CCA C12 > KZ ZS10 Pro und zahllosen anderen Beispielen, wie sich nahezu identische Produkte unverschämt einfach mehrfach verkaufen lassen, ohne dass es der Konsument wirklich merkt. Besser wird es noch, wenn OEM-Produkte gleich an mehrere Firmen verkauft werden und dann wirklich exakt das gleiche Produkt 3, oder 4-mal auf dem Markt kommt (CCA A10, KBEAR K10, TRIPOWIN TP10 und so weiter) und es sich dabei noch nicht einmal um ein wirklich gutes Produkt handelt.
Ab und zu bringen die üblichen Verdächtigen aber auch wirklich kleine Hi-Fi-Perlen heraus, aber die Trefferquote ist dabei sehr gering und man setzt eher auf Masse, als auf Klasse.
Das zeigen eindrucksvoll die Neuerscheinungen, wo einige Firmen mehr neue Produkte in einem Monat veröffentlichen als manch “renommierte“ Firmen im ganzen Jahr und darüber hinaus.

Dass der Kunde gezielt manipuliert wird, zeigen auch die vielen Distributoren auf AliExpresss, welche sich augenscheinlich unter demselben großen Deckmantel befinden. Unter YOOAUDIO versammeln sich beispielsweise Händler wie AK Audio, WOOEASY, oder MISS AUDIO und sicherlich noch einige andere.

Schlussendlich ist es mir egal von wo ich ein Produkt beziehe, ob nun bezahlt, geliehen, oder frei zur Verfügung gestellt, da ich keine persönliche Beziehungen zu den einzelnen Firmen, oder Distributoren habe und objektiv bleiben möchte. Darüber hinaus bin auch ich davon überzeugt, dass viele der In-Ears nicht nur eine Daseinsberechtigung haben, sondern die “Großen“ durchaus in die Schranken weisen können, was das Preis-/Leistungsverhältnis betrifft!
Ich will nur dafür sensibilisieren, dass der In-Ear-Markt in China mehr darauf ausgelegt ist, schnell einen Gewinn zu erwirtschaften als nachhaltig zu produzieren. Das ist auch in Ordnung, nur sollte man nicht immer gleich vom Stuhl kippen, weil wieder einmal eine 6, 7, 8-Treiber-Hybrid-Konfiguration herausgekommen ist und der Preis zu gut um wahr zu sein scheint, zumindest wenn man die Geduld hat, bis Rezensionen im Umlauf sind zu warten und auch persönlich ein bisschen nachhaltig wirtschaften möchte..

Warum schreibe ich das alles überhaupt?! Musste vielleicht einfach mal raus…

Diese Flut an IEMs aus China kommt natürlich auch von dem enormen Konkurrenzkampf der einzelnen Firmen untereinander. Sei es nun KZ/CCA, KBEAR/TRI, TRN etc. (gutmütig möchte ich hier mal unterstellen, dass diese Firmen alle unabhängig sind, auch wenn ich weiß, dass ich mich da eher selber belüge). Bringt der eine seinen neuen Wunder-IEM mit 7 Treibern heraus, so muss der andere natürlich direkt nachziehen. Aktuell ist das Phänomen beim TRN VX (1*DD & 6*BA), CCA CA16 (1*DD & 7*BA), oder CVJ CSN (1*DD & 5*BA) zu beobachten.

Ich möchte nicht sagen das TRN in dem CHI-FI-Kosmos eine Ausnahme bildet und natürlich auch hier das Augenmerk auf den schnellen finanziellen Gewinn liegt, nur habe ich das Gefühl, dass TRN auch mal etwas riskiert und ihre In-Ears nicht nur nach Schema-F produziert. Abgesehen vom Design kann ich mit gutem Gewissen behaupten, dass ich bei TRN immer das Gefühl hatte ein anderes Produkt in den Händen zu halten, vor allem was den Klang betrifft. Dabei blickt TRN auch über den Tellerrand blickt und bezieht sogar andere Rezensenten in ihre Entwicklungen mit ein. Das macht deren Produkte und eben auch den VX natürlich nicht gleich besser, aber man erkennt dabei den guten Willen auf seine Konsumenten zu hören.

Der TRN VX ist ein IEM, bei dem es nicht sofort funken wird und man sich schon eindringlicher mit ihm beschäftigen muss, um so etwas wie eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Das ist erstaunlich, da der VX der teuerste je herausgebrachte In-Ear von TRN ist und sie dennoch ein gewisses Risiko damit eingegangen sind, was ich jedoch positiv finde. Für mich wird es mit dem VX keine Freundschaft fürs Leben, aber für einen lustigen Abend zwischendurch ist er immer zu haben, um mal auf andere Gedanken zu kommen und sein Gehör neu zu justieren.

Handling

Wie auch schon beim TRN V90 kann sich der neue Flagship-In-Ear von TRN nicht nur optisch sehen lassen. Die Verarbeitung ist sehr gelungen und haptisch hochwertig.

beim Kabel verlässt man sich jedoch auf alt bewährtes und das ist hier kein Vorteil. Etwas fummelig, verdient es das Prädikat. Es erfüllt seinen Zweck.

Knowledge Zenit hatte sich einst dazu durchgerungen ihren teureren Modellen auch verpackungstechnisch einen edleren Look zu verleihen. TRN hat diesen Anspruch nicht und so kommt die gleiche Sparvariante zum Einsatz wie bei vielen KZ-, CCA-, KBEAR-, oder was auch immer -Produkten, wo wir wieder beim Intro-Thema wären. Hier wird nicht einmal annähernd der Versuch eines eigenes Designs unternommen, oder den Käufer mit einer Kleinigkeit im Lieferumfang zu beglücken, wie zum Beispiel Foam-Tips, oder dergleichen. Hier merkt man auf keinen Fall, das man gerade 70 € investiert hat. Kabel und Silikontips, das war's!

Der Tragekomfort ist jedoch wirklich sehr angenehm (Vergleichbar mit dem V90) und die Isolation hervorragend.

Klang

Der TRN VX ist ein IEM, den ich mir ins Ohr setze und ihm sofort gemischte Gefühle gegenüber habe.

Der Bass ist für TRN-Verhältnisse erstaunlich brav und gezähmt. Mir schon ein bisschen zu sehr, da es mir in der Signatur generell ein bisschen an Wärme und Druck von unten fehlt. Dennoch ist der Bass wirklich sehr schnell unterwegs, besitzt eine gute Textur und ist dazu stets auf dem Punkt. Würde TRN den VX als reine BA-Konfiguration vermarkten, würde ich es ihnen auf den ersten Blick auch glauben, obwohl man mit der Zeit auch merkt, dass hier ein dynamischer Vertreter am Werkeln ist, da bei einem BA-Bass auch meist der Oberbass ausgeprägter ist. Wirklich ein sehr guter und homogener Bass, nur dürfte er etwas mehr Pegel mitbringen, aber was sich ja korrigieren lässt.

Ich finde die Mitten, auch durch den fehlenden Basseinfluss im unteren Bereich etwas dünn, obwohl sie dadurch auch sehr transparent und klar erscheinen. Männerstimmen fehlt es dadurch jedoch an Körper und natürlichem Timbre. Sie klingen aufgehellt und haben nicht die Durchsetzungskraft, wie es hier bei Frauenstimmen der Fall ist. Diese können mich sogar wirklich überzeugen, aber auch hier fehlt es etwas an Wärme. Den Mitten wird in der Signatur eine gute Präsenz zugeteilt, sie bewegen sich in den oberen Frequenzen aber auch leicht an der Grenze. Grundsätzlich habe ich es in den Mitten gerne etwas knackiger, wodurch mir dies hier teilweise auch entgegen kommt, aber mir geht hier dennoch die Natürlichkeit abhanden, ob nun in den Stimmen, oder Instrumenten.

Die Höhen tragen ihren Teil dazu bei, dass der TRN VX ein recht heller IEM geworden ist. Die Sibilanten sind durch einen dementsprechenden Frequenzabfall größtenteils im Griff, aber der 2kHz-Peak ist mir als Schnittstelle zwischen Mitten und Höhen etwas zu forsch. Die Erweiterung ist ganz nett, aber der Hochton kann auf Dauer auch etwas ermüden werden. Wenn ich mich entspannen möchte, würde ich nicht zwingend zum VX greifen. Auch wenn es bei Becken mal etwas blechern werden kann, muss man den VX doch wirklich für seine Detailwiedergabe und Auflösung loben.
Der VX besitzt eine hervorragende Separation. Mir ist es fast sogar schon ein bisschen zu scharf abgetrennt, da dies dann auch etwas unnatürlich wirken kann. Auch die räumliche Darstellung ist ganz klar ein Plus des TRN VX.

Outro

Obwohl der VX bei TRN nicht nur die meisten PS unter der Haube hat und auch preislich ein Ausrufezeichen nach oben setzt, so ist er für mich nicht der reifste und erwachsenste von allen. Der VX ist eigentlich genau das Gegenteil zum V90. Aufregend, kühl, spritzig, transparent vs. warm, gelassen, etwas muffelig, musikalisch. Ich kann mit beiden etwas anfangen, obwohl ich den V90 länger im Ohr haben kann. Allerdings hat der VX ganz klar in Auflösung und Definition klare Vorteile, was ihn sicherlich auch audiophiler macht, aber auch anstrengender auf Dauer.

Der VX ist im Grunde ein heller, eher ins Analytische abdriftender und nicht immer authentisch wirkender IEM, mit einem straffen und punktieren Bass, transparenten Mitten und detaillierten Höhen. Etwas mehr Wärme und Ruhe würden ihm ganz gut tun.
Dennoch sehe ich ihn mal als eine schöne Abwechslung im IEM-Regal, nur ist der Preis dafür leider kein No-Brainer, es hätte für die Performance bestimmt keine 7 Treiber gebraucht und der VX ist auch kein absoluter Allrounder. Hier machen vor allem der fehlende Druck von unten und die zu helle Abstimmung einen kleinen Strich durch die Rechnung, obwohl genau das auch gleichzeitig eine Stärke des VX bei einigen Genres sein kann. Wie gesagt: Der TRN VX wird die Geschmäcker spalten!

Legende

Haptik:
Hier spielt die Verarbeitung mit rein und die Nutzbarkeit des Lieferumfangs. Zusätzlich das Erscheinungsbild, Tragekomfort und die Robustheit.


Value:
Hier bewerte ich für mich subjektiv das Preis-/Leistungsverhältnis - fließt nicht in die Bewertung ein!

Z: No Brainer

A: gut investiertes Geld

B: kann man schon machen

C: gibt besseres für weniger Geld

D: überteuert

E: Liebhaberpreis

Alltag:
Hier lasse ich vor allem die Durchhörbarkeit einfließen und ob ich ihn Out-Of-The-Box gut hören kann. Das ist natürlich sehr subjektiv und daher nur ein minimaler Abzug, oder Bonus.(-0.1, 0, +0.1)

BL-03.jpg
BA5

BA5

V60

V60

H1

H1

V80

V80

V10

V10

V90

V90

V20

V20

VX

VX

Zweite Meinung:

KLOGOWhite.png
  • Facebook
  • Instagram

CHI-FIEAR © 2020 by David Hahn