HIGH-CLASS
IN-EAR

AQ3

AUDIOSENSE

Wertung

Preis

8.4

165 €

Review published:

06/2020

Hifigo.jpg
Company.png

Treiber

3

pro Seite

1

Dynamisch

2

Balanced

Widerstand

18 Ohm

PZ/ES/PL

0

Klang

7.5

Bass

9

Mitten

8.5

Höhen

Empfindlichkeit

102 dB

8.3

Handling

9

Haptik

B

Value

0

Alltag

Frequenzgang

20 - 22000 Hz

Intro

AUDIOSENSE überrascht mich immer wieder mit ihren hochwertigen und stimmigen Produkten zu sehr annehmlichen Preisen. Seit kurzem versuche ich mich selbst am IEM-Selbstbau und stelle daher auch fest, was für ein Arbeitsaufwand dahinter steckt und was für ein finanzielles Investment (Einzelteile) von Nöten ist (jetzt mal den Gehirnschmalz vorab außer Acht gelassen). Wenn ich nun also zum Beispiel einen T260 nachbauen und dazu auch noch denselben Lieferumfang bieten möchte, schaff ich das als Endkunde so erst einmal nicht zum Verkaufspreis von Audiosense. Dafür müsste ich stets den Händlerpreis erhalten und vor allem auch auf Masse bestellen.
Kurzum: Audiosense fährt mit ihren Produkten keine große Marge ein (natürlich wird die Spanne bei ihren preislich höheren Produkten größer) und bleibt dabei nah an den Bedürfnissen des Kunden. Sehr sympathisch!
Aber genug mit der Beweihräucherung und zurück zu den Hard-Facts: Hier geht es um den AQ3, welcher im Jahr 2020 nach der T-Serie 2019 eine neue Serie eingeläutet hat. Dazu verbaut AUDIOSENSE zum ersten Mal in ihren eigenen Produkten einen dynamischen Treiber in einer Hybrid-Konfiguration, zusammen mit zwei BA-Treibern (Mitten/Höhen). So gut auch die Übergänge und das Zusammenspiel der einzelnen Treiber mit Hilfe einer ausgezeichneten Frequenzweiche funktionieren, so hab ich das Gefühl, AUDIOSENSE wäre mit einem anderen dynamischen Treiber etwas besser beraten gewesen, was den AQ3 hätte noch höher klettern lassen können.

Handling

Der Lieferumfang lässt kaum Wünsche offen. Besonders ist sicherlich das wasserdichte Case, was vielleicht nichts für die Handtasche ist, aber sehr viel Stauraum bietet und einen sehr hochwertigen Eindruck macht. Dazu gibt es Foam-Tips (3mal die gleiche Größe) und eine Auswahl an Silikontips.
Das Kabel ist mir am Ohr einen kleinen Tick zu steif, sitzt dafür aber bombenfest und hat auch sonst eine schöne Haptik. Abgerundet wird das Ganze mit einem Reinigungstool.

Das Gehäuse ist optisch an den T800 angelehnt. Der Wackelbildeffekt auf der Faceplate ist ganz nett und auch die Passform ist sehr angenehm, obwohl ich schon ergonomischere Bauweisen gesehen habe. Die Dicke der Schallröhrchen beschränkt ein bisschen bei der Tipauswahl, vor allem was die Größe betrifft. Benötigt man normalerweise etwas dickere, so kann es eventuell zu einem unangenehmen Druck im Ohr kommen.

Die Isolation funktioniert gut und auch nach außen dringen wenig, bis keine Störgeräusche.

Man sollte etwas Vorsicht walten lassen, wenn man die Schutzgitter entfernt. Die Filter beim AQ3 sind quasi kleine, runde Aufkleber auf den einzelnen Schallröhrchen (2 Filter – Bass/Mitten, 3 Wege-Schallführung). Bewegt man, oder beschädigt diese sogar, hat das immense Auswirkungen auf den Klang. Entfernt man beispielsweise den Filter vom Bass, entfaltet sich dieser zum Biest, was aber klanglich dann auch nicht mehr vertretbar ist.

Klang

AUDIOSENSE enttäuscht mich klanglich auch beim AQ3 nicht. Die Mitten und Höhen sind ein Genuss, wenn man auf eine entspannte und natürliche Präsentation steht.

Der Bass wird von einem 10mm dynamischen Treiber dargestellt. Hier gibt es viel Licht, aber auch Schatten. Solange kein Sub-Bass verlangt wird, glänzt der Bass mit einem sehr natürlichen Anspracheverhalten und einem angenehmen Punch im Mittenbass und feinen Details. Gehen wir allerdings einen Tick tiefer und ein bisschen Weg von den unzähligen High-Fidelity-MQA-Playlisten von TIDAL, hin zu zeitgenössischer Pop-Musik, oder Hip-Hop, so stellen wir fest, dass der dynamische Treiber ein kleines Problem mit den ganz tiefen Tönen hat. Der Sub-Bass ist da, aber er klingt nicht mehr so natürlich wie der Rest, sondern etwas stumpf und hohl, wie eher von einem BA-Treiber gewöhnt. Die Dynamik und ein natürlich klingender Druck sind nicht mehr vorhanden und er bietet keinen soliden Stützfeiler für solche tiefbasslastigen Genres. Wer allerdings mehr in der Klassik, akustischer Musik, Rock, oder generell in Genres zu Hause ist, wo ein Bass auf eine natürliche Art und Weise erzeugt wird, der wird mit der Basspräsentation des AQ3 zufrieden, wenn nicht sogar begeistert sein. Bassheads, Hip-Hop, Elektro, oder EDM-Fans ist vielleicht woanders besser beraten. Für mich ist der Bass zum Großteil Top, selten aber auch mal Flopp.

Oh ja, die Mitten haben es mir angetan. Sie haben nicht die Transparenz eines UE RR, oder Separation und Knackigkeit eines TIA TRIO, aber sie klingen verdammt natürlich und realistisch. Stimmen werden recht intim und fokussiert herausgearbeitet und haben ein wundervolles Timbre. Nicht zu kalt, nicht zu warm und leicht vorangehend. Die Mitten wissen zu begeistern, auch wenn ich mir noch ein bisschen mehr Lebendigkeit z.B. eines SOLARIS wünschen würde. Dafür wird es beim AQ3 nie grenzwertig, oder gar unangenehm und generell hat der AQ3 nicht den Anspruch mit Überraschungen und für ekstatische Schnappatmung zu sorgen. Hier gilt nur: Natur pur.

Die Höhen gehen den Weg gemeinsam mit den Mitten. Der Übergang ist samtig weich und finden die ausgewogene Mischung aus Detailwiedergabe, Micro-Management, sowie ein Hauch von Brillanz, ohne dabei ihre Natürlichkeit zu verlieren, spitz zu werden, oder zu künstlich.
Sie bleiben geschmeidig und nehmen es locker leicht, ohne aber ins Langweilig abzudriften, zu dunkel, oder stumpf zu werden. Nichts für Trebleheads, aber wer sich mehr auf die Musik einlassen und sich fallen lassen will, ohne diese analytisch zu betrachten, ist hier genau richtig.

Die Bühne eröffnet keine neuen Dimensionen, aber ist dennoch der Signatur sehr dienlich, da sie eine natürlich Weite generiert und auch in der Tiefe einige Ebenen darstellen kann. Das geht zwar alles noch schärfer und separierter, aber hey, dann ist es auch irgendwann wirklich nicht mehr natürlich, egal wie aufregend es sein kann Dinge scheinbar auf den Millimeter genau im Raum orten zu können. Mich stellt das 3D-Bild mehr als zufrieden, auch wenn es natürlich Luft nach oben gibt.

Outro

Der AQ3 wird sicherlich ein bisschen polarisieren, da er es leider nicht schafft eine breite Masse zufrieden zu stellen. Da muss es aber auch nicht immer sein! Er ist eine herausragende Empfehlung wenn es um Stimmen-, oder um die natürliche Instrumenten-Wiedergabe geht. Ebenso wird er auch auf eine längere Hörperiode kein Stressfaktor darstellen, sondern sich eher immer mehr dem Zuhörer offenbaren und bei ihm einschmeicheln. Dennoch ist er keine uneingeschränkte Empfehlung und hat im Sub-Bass so seine Problemchen. Kann man darüber hinwegsehen, bekommt man einen sehr natürlichen, leicht warmen IEM, der einen mit seiner intimeren (was man von AUDIOSENSE auch gewohnt ist), unaufgeregten Art und Weise in seinen Bann ziehen kann!

Legende

Haptik:
Hier spielt die Verarbeitung mit rein und die Nutzbarkeit des Lieferumfangs. Zusätzlich das Erscheinungsbild, Tragekomfort und die Robustheit.


Value:
Hier bewerte ich für mich subjektiv das Preis-/Leistungsverhältnis - fließt nicht in die Bewertung ein!

Z: No Brainer

A: gut investiertes Geld

B: kann man schon machen

C: gibt besseres für weniger Geld

D: überteuert

E: Liebhaberpreis

Alltag:
Hier lasse ich vor allem die Durchhörbarkeit einfließen und ob ich ihn Out-Of-The-Box gut hören kann. Das ist natürlich sehr subjektiv und daher nur ein minimaler Abzug, oder Bonus.

(-0.1, 0, +0.1)

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1/4

T180

T260

T300

AQ3

Zweite Meinung:

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