HIGH-CLASS
IN-EAR

CUPID

OBRAVO

Wertung

Preis

5.3

195 €

Review published:

05/2020

Treiber

2

pro Seite

1

Dynamisch

0

Balanced

Widerstand

16 Ohm

PZ/ES/PL

1

Klang

6

Bass

4.5

Mitten

4

Höhen

Empfindlichkeit

105 dB

4.8

Handling

9

Haptik

C

Value

-

Alltag

Frequenzgang

20 - 40000 Hz

Intro

Die Firma oBravo wurde 2006 gegründet und hat sich vor allem mit ihren eigenen patentierten Treiberentwicklungen (AMT - Air Motion Transformer & PMD – Planar Magnetic Driver) einen Namen gemacht. Ursprünglich wurden diese für Over-Ears (40mm) entwickelt und sind seit einigen Jahren nun auch im In-Ear-Format erhältlich. Mit den verwendeten Materialien und Technologien sprich oBravo eher die High-End Klasse an, was sich auch deutlich in den zum Teil aufgerufenen Preisen wiederspeigelt.
Der CUPID bildet hier eine Ausnahme und ist in der Einsteiegervariante “schon“ für unter 200 € erhältlich. Der Cupid möchte die beiden Welten eines dynamischen und planar magnetischen Treiber vereinen.

Das ließ mich aufhorchen, denn so sehr ich den TIN HIFI P1 (planar magnetischer Treiber) auch liebe, so fehlt mir doch der dynamische Bass und etwas Körper in den Mitten. Ich habe mich dadurch sehr auf den ersten Höreindruck des CUPID gefreut, bin ich doch davon ausgegangen hier vielleicht einen weiterentwickelten P1 zu bekommen, aber die Freude sollte nicht von langer Dauer sein.

http://www.obravoaudio.com/en/our-story/

Handling


Es gibt drei Varianten des CUPID (CUPID BASIC 195 €, CUPID – 280 €, CUPID ULTIMATE – 340 €). Ich habe netterweise von oBravo für die Rezension den CUPID ULTIMATE erhalten. Aber keine Angst, es ändert sich lediglich der Lieferumfang, denn der In-Ear ist immer derselbe.

In der ULTIMATE Version bekommen wir ein OCC MMCX-Kabel mit einem 2.5mm Anschluss. Dazu einen 2.5mm auf 3.5mm Adapter und einem um auf 4.4mm zu kommen. Dazu gibt es 3 Größen an Comply-Foam-Tips und Twisted-Silikon-Tips, sowie ein Kabel-Klett und ein Stretch-Täschchen, was nur für die In-Ears zum Schutz dient. Das Kabel lässt sich darin nicht verstauen.

Der CUPID ist aus Metall gefertigt und ist sehr sauber und hochwertig verarbeitet. Mich stört allerdings der MMCX Anschluss., da dieser modifiziert wurde. Zwar ist der Anschluss theoretisch mit anderen MMCX-Kabel kompatibel, aber oBravo hat einen zusätzlichen Verschluss mit angebracht, wodurch der Anschluss tiefer liegt und Third-Party-Kabel nicht mehr verwendet werden können. Das Kabel von oBravo ist allerdings wiederum auch für andere MMCX-In-Ears verwendbar, was dies natürlich durch den 2.5mm Anschluss interessant macht.

Am Tragekomfort ist nichts auszusetzten, auch wenn sich einige vielleicht eine Versteifung am Kabel wünschen würden, um einen sichereren Halt über dem Ohr zu gewährleisten. Die Isolation ist stark von den gewählten Tips abhängig, aber mit den Comply-Tips ist diese excellent.

Klang

Hilfe, wer mit dem CUPID eine Langzeitbeziehung eingehen möchte, der braucht Nerven aus Drahtseilen. Was zwischen 2 und 5 kHz so passiert ist wirklich extrem und steht in keinem Verhältnis zum restlichen Frequenzverlauf. Ich muss gestehen, dass ich erst mit einer defekten Unit gerechnet habe, da ich natürlich auch gerne mal einen Überblick verschaffe, was andere Rezensenten über ihre Erfahrungen schreiben. Der CUPID kommt größtenteils äußerst positiv weg und ich möchte diese Meinungen auch auf keinen Fall untergraben, denn jeder hat so seine eigenen persönlichen Vorlieben und Hörgewohnheiten. Es ist wirklich schwer den Klang des CUPID zu beschreiben, aber ich versuch mein Bestes- Dazu gibt ein paar Sachen, die für mich wirklich schwer zu tolerieren sind. Also gleich vorweg: Jedem das Seine, meins ist der CUPID nicht! … aber der Reihe nach.

Der Bass wird vom dynamischen Treiber übernommen (was ich auch von den Mitten behaupten würde). Er Ist zwar nicht sonderlich dominant, aber er schafft es dennoch die Mitten zu überlagern und klingt dabei etwas steril. Merkwürdige Kombination. Der Bass scheint nicht so ganz zu wissen was er will und das wirkt sich auf das Hörempfinden aus. Musik mit dem CUPID zu hören ist wirklich ein Stressfaktor, da nichts so zu sein scheint, wie es eigentlich sollte. Der Bass ist eher trocken und hat wenig Körper, zumindest keinen vollen, denn er klingt eher etwas hohl und leblos. Je nach Musik ist er aber ganz okay. Ich würde sagen, dass sich der Cupid noch am ehesten für elektronische Musik ohne Vocals eignet, da man da auch nicht den Vergleich zu realen Instrumenten, oder Stimmen hat.

Die Mitten klingen gedämpft, distanziert und gleichzeitig schrill. Auch wieder eine sehr ungewöhnliche Mischung. Ich würde sagen, dass es einfach überhaupt nicht gelungen ist die beiden Treibertechnologieren in eine harmonische Balance zu bekommen. Der Übergang von den Mitten zu den Höhen ist wie ein Schlag ins Gesicht. Die Mitten sind stark zurück genommen und es gibt nicht viel Musik, welche man einigermaßen durchhören kann. Wir reden hier nicht von spezifischen Genres, sondern wirklich wenn von einzelnen Tracks. Billie Eilish ist hier mit ihrem Album WHEN WE ALL FALL ASLEEP, WHERE DO WE GO? z. B. eine Ausnahme, ohne zu sagen das der CUPID hier richtig klingt, aber erträglich.

Die Höhen sind wohl der eigentliche Dealbreaker des CUPID. Eigentlich erhofft man sich bei einer Kombination von unterschiedlichen Techniken der Klangerzeugung die positiven Eigenschaften dieser zu verbinden. Ich habe das Gefühl beim CUPID ist genau das Gegenteil passiert. Nimmt man nur den Bass und Mitten allein, habe ich schon deutlich bessere dynamische Treiber gehört. Nimmt man jetzt den planaren Treiber für die Höhen dazu, könnte man sich anhand des TIN HIFI P1 einen Eindruck verschaffen, was im Hochton möglich wäre. Beim CUPID wird weder das Potenzial der Technologie ausgeschöpft, noch überhaupt ein hörbares Ergebnis erzielt. Überspitz, tonal absolut unnatürlich und einfach nur viel zu viel, was die unteren und mittleren Höhen betrifft. Das steht in keinem Verhältnis zum Rest der Signatur und macht diese auf allen möglichen Wegen disharmonisch. Wenn wir jetzt von der Detailwiedergabe sprechen, dann ist diese dem CUPID durchaus zu attestieren, aber eben keine “echten“ Details, sondern eine Verstärkung der unnatürlichen Klangwiedergabe. Da macht es auch keinen Sinn mehr in die Analyse zu gehen.

Was die Bühne und Separation betrifft, so bestätigt sich noch einmal der Gesamteindruck. Die Bühne ist schwer zu greifen. Mal sehr intim, mal merkwürdig geweitet. Die Separation ist ganz gut.
Um es noch einmal zu betonen. Es liegt keine Vertauschung der Polarität bei meinem CUPID vor, was eine verschobene Bühne und vor allem auch Instrumenten-/Stimmenanordnung erklären würde.

Outro

Während ich Rezensionen schreibe, habe ich auch immer den jeweiligen In-Ear im Ohr und meine Lieblingsplaylist laufen. Nicht weil ich mich nicht auf meine vorigen Höreindrücke verlasse, sondern weil es ist eine Art Tradition ist und mich bei der Arbeit entspannt.
Ich war froh, als sich das Ende dieser Rezension abgezeichnet hat. Denn das war alles andere als eine Entspannung für mich, sondern endete in einem verstörendem Höreindruck und Kopfschmerzen. Okey, ich gebe zu, dass ich es nicht ganz durchgehalten habe.

Ich habe wirklich versucht alles auszuschließen was ging, was einen Defekt der In-Ear betreffen könnte. Messung, Polarität, Recherche. Da im Internet allerdings auch einige Graphen existieren, die ein sehr ähnliches Frequenzbild des CUPID zeigen, wie ich es erhalten habe, gehe ich davon aus, dass es sich wirklich um das Endprodukt handelt. Mir liegt es fern irgendjemand für seine Arbeit zu kritisieren, vor allem wenn dieser mit viel Engagement und liebe für das Detail nachgegangen wird, was bei oBravo mehr oder weniger der Fall zu sein scheint. Hier geht es weniger um Masse, sondern Klasse.
Trotzdem sollte eine Rezension sich nicht von solchen Hintergrundinformationen leiten lassen, sondern soweit objektiv bleiben, wie es beim Klang von in-Ears überhaupt möglich ist. Nach diesen Kriterien versagt der CUPID. Unnatürlich, harsch, nicht kohärent. Der CUPID klingt wirklich ungewöhnlich und das nicht im positiven Sinne, da spielt es auch keine Rolle wie umfassend der Lieferumfang ist.
Was kann ich dem CUPID zugutehalten? Tragekomfort und vielleicht einige Effekt-Songs ohne viel Höhenanteil, wo man keine Ahnung hat wie es sich anhören könnte, da es keinen natürlichen Vergleich gibt.

https://www.audioconcierge.co.uk/portfolio/obravo-cupid-ultimate-planar-earphones/

Legende

Haptik:
Hier spielt die Verarbeitung mit rein und die Nutzbarkeit des Lieferumfangs. Zusätzlich das Erscheinungsbild, Tragekomfort und die Robustheit.


Value:
Hier bewerte ich für mich subjektiv das Preis-/Leistungsverhältnis - fließt nicht in die Bewertung ein!

Z: No Brainer

A: gut investiertes Geld

B: kann man schon machen

C: gibt besseres für weniger Geld

D: überteuert

E: Liebhaberpreis

Alltag:
Hier lasse ich vor allem die Durchhörbarkeit einfließen und ob ich ihn Out-Of-The-Box gut hören kann. Das ist natürlich sehr subjektiv und daher nur ein minimaler Abzug, oder Bonus.

(-0.1, 0, +0.1)

BL-03.jpg

Bewertung in Buchstaben

S: 9.5 - 10

A: 9.0 - 9.4​

B: 8.0 - 8.9​

C: 7.0 - 7.9

D: 6.0 - 6.9​
E: 5.0 - 5.9​

F: 0.0 - 4.9​

1/5

CUPID

Zweite Meinung:

CHI-FIEAR © 2020 by David Hahn

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