HIGH-CLASS
IN-EAR

YUME

SEEAUDIO

Wertung

Preis

8.6

140 €

Review published:

03/2021

Treiber

3

pro Seite

1

Dynamisch

2

Balanced

Widerstand

32 Ohm

PZ/ES/PL

0

Klang

8

Bass

9

Mitten

8.5

Höhen

Empfindlichkeit

106 dB

8.5

Handling

9.5

Haptik

A

Value

0

Alltag

Frequenzgang

20 - 20000 Hz

Intro

Neue IEM-Firmen sprießen immer wieder aus dem Boden und es fällt schwer, den Überblick zu behalten. SEEAUDIO ist eine von denen, die sich mit dem YUME einen Platz auf dem Markt in der Mittelklasse erkämpfen wollen. Mit dem NEO oder KAGUYA haben sie noch etwas höherpreisige Modelle, aber der YUME stellt mehr oder weniger den „Türöffner“ im hart umkämpfen IEM-Markt bis 200$ dar. Es gibt bereits drei Modelle dieses In-Ears, welche je nach Markt (Tuning) angepasst wurden (Japan – ANOU und eine YUME-HK-Version). Der Standard-YUME ist überall erhältlich, die anderen beiden nur im jeweiligen Land/Staat.

Der YUME ist ein Hybrid, bestehend aus einem DD und 2BA. Im Vorfeld konnte man schon einige Graphen begutachten, die sehr vielversprechend aussahen, aber bestätigen sich diese Vorschusslorbeeren auch im Hörtest?

Handling

Der YUME ist schon mal eins, verdammt bequem. Die Form des Gehäuses ist sehr ergonomisch und auch durch die kompakte Größe sollte es kaum Schwierigkeiten geben, einen guten Fit und damit eine sehr gute Abdichtung zu erzielen. Dazu tragen auch die mitgelieferten Tips bei, welche sich bei mir ebenso schnell bei anderen IEMs bezahlt gemacht haben. Vor allem die Silikontips, welche es in 4 verschieden Größen gibt. Die gleiche Auswahl wird auch an Foam-Tips zur Verfügung gestellt.

Das Kabel (8-Kerne, 2-Pin, Kupfer) ist haptisch sehr ansprechend und auch das runde Transport-Case sinnvoll gewählt. Die Verpackung ist vielleicht etwas zu groß geraten, aber das Auge isst ja mit. Zum Glück wurde das Anime nicht auch auf die Faceplate transportiert, sondern ein etwas schlichteres, aber durchaus dekoratives Design gewählt.

Kurz und knackig: der YUME ist haptisch und verarbeitungstechnisch auf einem sehr hohen Niveau, ohne erkennbare Schwächen.

Klang

Das Stichwörter beim YUME sind wohl sauber und klar. Auch wenn man ihm unterstellen könnte langweilig zu sein, ist er doch für mich einer der tonal besten in seiner Preisklasse (besonders in den Mitten).

Der Bass ist nicht unbedingt eine Naturgewalt, eher ein Lüftchen. Klar wäre aus dem dynamischen Treiber sicherlich ein kräftigerer Schlag und mehr Autorität heraus zu holen gewesen, aber das war scheinbar nicht das Tuningziel beim YUME. Der Bass hat eine Sub-Bassbetonung, die allerdings auf dem Blatt-Papier (Graph) vielversprechender aussieht, als sie klingt. Schuld daran ist zum einen sicherlich, dass viele Pop-, Rock- oder akustische Mixe mehr den Mittenbass betonen, um einen spaßigeren Punch zu erzeugen, bzw. die gewählten Instrumente den Sub-Bass auch nicht wirklich abbilden zum anderen ist der YUME im Ober- und Mittenbass nahezu todesflach, wodurch er schon fast ins blutarme und sterile geht und der Sub-Bass hier kaum etwas rausholen kann. Ihm fehlt es so zusagen an Musikalität und etwas an Dynamik. Teilweise erinnert er mehr an einen sauberen und präzisen BA-Bass (aber mit besserem Tiefgang) als an einen dynamischen Treiber. Dies ist sicherlich ein größerer Kritikpunkt für viele, da eben diese Präsentation nicht als sonderlich lebendig und eher monoton wahrgenommen werden kann. Es fehlt schlichtweg etwas an Wärme und Punch, aber dafür macht der Bass es mit Treffsicherheit und Geschwindigkeit wett. Ebenso finde ich ihn durchaus detailverliebt, wenn man sich drauf einlässt. Dennoch ist es mir etwas zu wenig Pegel in dem Bereich. Die Klang-Qualität ist ihm aber nicht abzusprechen, nur geht er damit nicht hausieren.

Die Mitten sind das Zuckerstück des YUME. Klar, transparent und tonal sehr authentisch, beschreibt das Hörerlebnis sehr gut. Zwar fehlt ihnen vielleicht etwas der Bassimpakt, um sie etwas voller zu gestalten, aber ich finde sie so wie sie sind, nahe an meinem Ideal (der MOONDROP S8 wäre zum Beispiel ein IEM der noch näher rankommt). Hier kann man dem YUME tonal, aber auch technisch eigentlich nur wenig vorwerfen. Zum einen eventuell die leichte Kälte und hier und da fehlt es etwas an Körper und Kraft, aber das ist schlussendlich eben auch Geschmackssache. Vor allem gefällt mir die Wiedergabe von Instrumenten. Egal ob Klavier, Bläser oder Gitarren, alles klingt sehr realistisch und sauber, fast schon zu klar, wo wir dann wieder beim Thema “steril“ sind. Stimmen haben ein natürliches Timbre und man verliert sich schnell in den Vocals, egal ob Frau oder Mann.

Die Höhen werden vom „Schreckgespenst“, dem KNOWLES 33518 (baugleich mit dem 300095) bearbeitet. Warum Schreckensgespenst? In vielen Budget-IEMs werden BELLSING, oder KZ-Abwandlungen des Knowles-Treibers verwendet, die oftmals schlecht implementiert sind und der Treiber etwas in Verruf geraten ist. Eigentlich zu Unrecht, denn wenn man in der Lage ist, ihm die Schärfe zu nehmen und ihn etwas dämpft, bekommt man einen sehr detaillierten luftigen Hochton mit einer feinen Auflösung. Das gelingt beim YUME sehr gut. Der Hochton klingt weder billig noch künstlich, sondern sehr erwachsen. Es fehlt ein bisschen in der Erweiterung, die bewusst gecuttet wurde, aber ich bin sehr zufrieden mit der Tuningarbeit im Hochtonbereich. Sibilanten sind Gott sei Dank Mangelware und auch wenn der YUME manchmal etwas heller klingt, als er müsste, arbeitet er im Hochton sauber und pegelfest. Um mit dem Vorurteil aufzuräumen: Der 30095 kann ein ausgezeichneter Hochton-BA sein, wenn man das Tuning-Know-How besitzt und vor allem auch den Willen, dies anzuwenden. Nicht umsonst ist der Treiber auch in vielen TOTL-IEMs zu finden. Dennoch ist natürlich auch der Hochton nicht perfekt und gerade im oberen Bereich geht etwas die Luft aus, aber für mich harmonieren die beiden BAs (29689 & 33518) sehr gut miteinander.

Auch durch diese beiden BAs sind die technischen Eigenschaften bemerkenswert. Die Bühne hat eine üppige Ausdehnung und ebenso das Imaging ist ausgezeichnet. Wenn jetzt noch der Bass etwas mehr Druck von unten entwickeln würde, könnte man sicherlich ein noch besseres Layering und ein runderes Gesamtbild erzeugen, aber für mein Empfinden perform der YUME hier wirklich sehr gut.

Outro

Macht es Spaß mit dem YUME Musik zu hören? Nun, das liegt im Auge des Betrachters. Für einige mag er zu unmusikalisch oder gar emotionslos sein. Manchmal ist aber genau diese nüchterne Betrachtung genau das Reizvolle. Der YUME ist abgeklärt, ohne Stimmungsschwankungen, egal was man ihm vorsetzt und er beackern muss.
Mit anderen Worten, der YUME ist recht ehrlich und entweder man schätzt das oder lässt sich lieber umgarnen. Ich schwanke beim YUME hin und her, mal mit dem sehnlichen Wunsch das der YUME meinen Ohren mehr schmeichelt oder aber eben mir noch mehr brutale Fakten ins Gesicht knallt, wie zum Beispiel von einem Moondrop Blessing 2 gewohnt (welcher übrigens auch nicht meine erste Wahl im Alltag ist). An dessen Auflösung kommt der YUME nicht ganz heran, allerdings kann man hier durchaus von dem kleinen Bruder sprechen. Der Blessing 2 (B2) ist im Bass zwar neutraler gehalten (aber dennoch körperlicher) und hat die größere Erweiterung im Hochton. Nichtsdestotrotz sind die beiden IEMs tonal sehr ähnlich, vor allem im Mittenbereich. Hier geht der Punkt für meinen Geschmack sogar an den YUME, da er nicht die leichte Grellheit des B2 mitbringt und generell entspannter spielt, aber bei Details und Separation mithalten kann.

Für mich ist der YUME ein sehr kompetenter IEM, der viel richtig, aber nicht perfekt macht. Ehrlich gesagt fehlt es mir im Bass ab 200 Hz um ein paar dB. Auch aufgrund der etwas emotionslosen Präsentation ist er sicherlich keine allgemeine Empfehlung, vor allem für den Mainstreambereich, aber er ist eine fantastische Ergänzung in der IEM Kollektion (wenn man hier eine gewisse Diversität in den Signaturen sucht) und einer der tonal authentischsten seiner Zunft (Mitten). Allerdings nicht zwingend etwas für den Alltag oder zwischendurch. Musiker und Produzenten könnten an der neutralen und realistischen Spielweise des YUME sogar eher ihre Freude haben.

Danke an OARDIO für die Review-Unit.
https://www.oardio.com/see-audio-yume-anou-iem-global-worldwide-international-earphones.html

Legende

Haptik:
Hier spielt die Verarbeitung mit rein und die Nutzbarkeit des Lieferumfangs. Zusätzlich das Erscheinungsbild, Tragekomfort und die Robustheit.


Value:
Hier bewerte ich für mich subjektiv das Preis-/Leistungsverhältnis - fließt nicht in die Bewertung ein!

Z: No Brainer

A: gut investiertes Geld

B: kann man schon machen

C: gibt besseres für weniger Geld

D: überteuert

E: Liebhaberpreis

Alltag:
Hier lasse ich vor allem die Durchhörbarkeit einfließen und ob ich ihn Out-Of-The-Box gut hören kann. Das ist natürlich sehr subjektiv und daher nur ein minimaler Abzug, oder Bonus.

(-0.1, 0, +0.1)

BL-03.jpg

Bewertung in Buchstaben

S: 9.5 - 10

A: 9.0 - 9.4​

B: 8.0 - 8.9​

C: 7.0 - 7.9

D: 6.0 - 6.9​
E: 5.0 - 5.9​

F: 0.0 - 4.9​

YUME

Zweite Meinung:

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CHI-FIEAR © 2020 by David Hahn

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