HIGH-CLASS
IN-EAR

TAPE

SHUOER

Wertung

Preis

8.2

120 €

Review published:

11/2019

Hifigo.jpg
Company.png

Treiber

2

pro Seite

1

Dynamisch

0

Balanced

Widerstand

18 Ohm

PZ/ES/PL

1

Klang

8.5

Bass

7.5

Mitten

8.5

Höhen

Empfindlichkeit

104 dB

8.2

Handling

8.5

Haptik

B

Value

0

Alltag

Frequenzgang

20 - 30000 Hz

Intro

Erinnert ihr euch noch an euren ersten Walkman? Willkommen in den 80ern.
Der Shuoer Tape schlägt die Kerbe in Anlehnung an die gute alte Zeit der Kassetten. Allerdings nur äusserlich, denn unter der Haube verbirgt sich der neuste Schrei in der In-Ear Welt. Ein elektrostatischer Treiber, gepaart mit einem Dynamischen. Damit ist der TAPE der aktuell günstigste Vertreter mit einem Elektrostaten an Board und ein fantastischer Einstieg in die “neue“ Technology. Wirklich neu ist diese nicht, denn Elektrostaten werden schon seit einigen Jahren in Over-Ears verbaut. Die wohl prominentesten Vertreter sind wohl die Produkte von STAX. Allerdings ist der elektrostatische Treiber im In-Ear-Miniaturformat noch nicht so verbreitet, obwohl uns wohl in der nächsten Zeit eine regelrechte Flut entsprechender In-Ears erwarten wird.

Um kurz aufzuklären was ein elektrostatischer Treiber ausmacht, hier kurz eine Erklärung der Kollegen von bonedo.de:
>> Der Wandler besteht aus einer leitfähigen, (statisch) vorgeladenen Membranfolie, die von zwei Elektroden, den sogenannten Statoren einem elektrischen Feld ausgesetzt wird. Aus mechanischer Sicht entspricht dies dem magnetostatischem Prinzip, allerdings durchfliesst das Audiosignal hier die Statoren und nicht die Membran, welche beim Elektrostaten durch die Änderungen im elektrischen Feld und die elektrostatische Anziehungskraft bewegt wird. Der Vorteil dieses Antriebs besteht hauptsächlich in den Wiedergabeeigenschaften der Membran, welche durch den Wegfall von Leiterbahnen bzw. einer Spule weniger träge, impulstreuer und höher aufgelöst agieren kann und von daher von audiophilen Musikliebhabern geschätzt wird.<<

Handling

Die Verpackung des TAPE ist etwas verspielt und erweckt nicht gerade den Eindruck ein hochwertiges Produkt in den Händen zu halten. Allerdings ist in der zylindrischen Verpackung ein robustes Metallcase, worin sich das solide MMCX-Kabel befindet und eine Auswahl an 6 verschiedenen Silikontips. Eingehüllt in Schaumstoff sitzen die kleinen Kassetten.

Das Design ist eigenständig und nett Anzusehen. Allerdings ist das natürlich Geschmackssache und nicht jeder wird sich auf Anhieb mit dem Design anfreunden, da es nicht der gewohnten Custom-Bauweise entspricht und eben nicht so “professionell“ wirkt.
Das Design hatte bei der Produktion wohl auch mehr Vorrang als der Tragekomfort. Dieser ist recht gut, aber nicht so angenehm wie er sein könnte. Dennoch ist der Sitz überzeugend und man ist bei richtiger Tipauswahl für jede Situation gewappnet.

Das Metallgehäuse macht einen sehr robusten Eindruck und weist keinerlei Produktionsmängel auf.
Die Isolation ist natürlich immer stark davon abhängig was man für einen Sitz erreicht und von den verwendeten Tips. Ich erreiche eine nahezu komplette Isolation, ob nun im Büro, oder auf der Strasse. Allerdings dringt auch einiges der Musik nach aussen.

Klang

Der TAPE wird in einschlägigen Foren immer wieder in einem Zug mit dem TIN HIFI P1 genannt. Ich finde man vergleicht da oftmals Äpfel mit Birnen, denn das einzige was die Beiden gemeinsam haben ist eventuell die Auflösung und Detailreichtum, aber ansonsten sind es zwei eigenständige In-Ears, die zufällig in einem relativ gleichen Zeitraum erschienen sind, mit unterschiedlicher Technology (P1 – planarmagnetisch)

Der TAPE hat dank des dynamischen Treibers einen satten Bass, welcher sich immer wieder aufs Neue Erfindet. Er kann sich brav in den Dienst der Mitten stellen, oder auch bei Elektro/Hip Hop richtig aufdrehen, so dass es fast schon Basshead-Niveau erreicht. Ist dies nun gewollt, oder einfach Inkonstanz, was den Basspegel anbelangt. Ich entscheide mich für Ersteres, da ich es durchaus ansprechend finde, dass der Bass so dynamisch mit der Musik mitgeht und nicht dauerhaft übertreibt, oder zu schwach auf der Brust ist. Der Übergang zu den Mitten ist sauber und man bekommt stets einen natürlichen, punktierten Bass mit guter Geschwindigkeit und Textur.
Was ich allerdings etwas schade finde ist, dass der Bass sich bei Rockmusik manchmal zurück hält, was dann aber auch zum grössten Teil der Aufnahme geschuldet. Wo nicht viel Bass dabei ist, packt der Tape auch nichts dazu, wodurch in einigen Fällen der Kick etwas dünn wirkt. Hier gilt: Wenn die Musik gut produziert und abgemischt ist, macht der TAPE Spass, andernfalls verzeiht der TAPE weniger, wodurch man auch immer auf eine gute Auflösung der Musik achten sollte.

Die Mitten sind für mich ein zweischneidiges Schwert. Zum Negativen: Sie erscheinen mir manchmal etwas schrill, was sich bei hellem Gesang, oder auch E-Gitarrenlastigen Stücken bemerkbar macht. Hier wurde wohl bei dem Streben nach Klarheit etwas zu sehr bei der dB-Anhebung übertrieben. Die Mitten könnten hier und da etwas mehr Dicke vertragen.
Zum Positiven: Dennoch können die Mitten das TAPE weitestgehend wirklich überzeugen und das mit ausgezeichneter Instrumententrennung und Details.
Auch werden Sibilanten erstaunlich gut minimiert, trotz der Präsenz der oberen Mitten und tieferen Höhen. Stimmen klingen sehr natürlich und haben eine gute Gewichtung in der Signatur. Besonders akustische Stücke, oder Countrymusik mit kräftigen männlichen Stimmen überzeugen.

Die Höhen sind eigentlich das Highlight des TAPE. Die Auflösung und Erweiterung ist enorm, ohne künstlich zu wirken. Irgendwie passt dies nicht zu 100 % mit den Mitten und dem Bass zusammen, da die Höhen für sich allein genommen richtig abliefern. Aber gut, wir sprechen hier immer noch von In-Ears um die 100 € und gerade in dem Kontext spielen die Höhen richtig stark auf. Man verliert sich regelrecht in der Räumlichkeit und den feinen Mikrodetails. Auch hier sei wieder gesagt, bei schlechtem Input fungiert der TAPE nicht als Kläranlage. Bei schlechter Qualität ist das Hörvergnügen doch sehr beeinträchtigt, was den TAPE auch nicht immer zum allerbesten Begleiter im Alltag macht.
Hier muss man wirklich seinen Hut ziehen, was so ein Elektrostat musikalisch reproduzieren kann und das man dieses Erlebnis bereits für diesen Preis bekommt.

Outro

Der TAPE ist ein sehr interessanter In-Ear und das nicht nur wegen seiner technischen Beschaffenheit. Es macht wirklich Spass mit ihm seine Musikbibliothek neu zu entdecken (Ich klammer hier mal etwas das Rockgenre aus). Er weist eine klassiche V-Signatur auf, mit einen dynamischen Bass, der weiss wo er zuschlagen darf und wo nicht und beeindruckender Höhenwiedergabe (Hier macht der Vergleich mit dem P1 sinn). Die Mitten hinken etwas hinterher, was aber ein Jammern auf hohem Niveau ist. Denn auch diese haben in Separation, Auflösung und Details einiges zu bieten.

Rundum ein gelungener Einstieg in die Elektostatwelt mit einem einzigartigem Design und grossem Klangerlebnis.

Legende

Haptik:
Hier spielt die Verarbeitung mit rein und die Nutzbarkeit des Lieferumfangs. Zusätzlich das Erscheinungsbild, Tragekomfort und die Robustheit.


Value:
Hier bewerte ich für mich subjektiv das Preis-/Leistungsverhältnis - fließt nicht in die Bewertung ein!

Z: No Brainer

A: gut investiertes Geld

B: kann man schon machen

C: gibt besseres für weniger Geld

D: überteuert

E: Liebhaberpreis

Alltag:
Hier lasse ich vor allem die Durchhörbarkeit einfließen und ob ich ihn Out-Of-The-Box gut hören kann. Das ist natürlich sehr subjektiv und daher nur ein minimaler Abzug, oder Bonus.

(-0.1, 0, +0.1)

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H27

TAPE

Zweite Meinung:

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