HIGH-CLASS
IN-EAR

LEGACY 4

THIEAUDIO

Wertung

Preis

8.8

160 €

Review published:

03/2021

Treiber

4

pro Seite

1

Dynamisch

3

Balanced

Widerstand

9.8 Ohm

PZ/ES/PL

0

Klang

8.5

Bass

8.5

Mitten

9

Höhen

Empfindlichkeit

104 dB

8.7

Handling

9

Haptik

A

Value

+

Alltag

Frequenzgang

20 - 20000 Hz

Intro

THIEAUDIO ist schnell zu einer etablierten Firma herangewachsen. Wohl der entschiedenste Grund dafür sind die/der Tuner hinter den Modellen, welcher stets die Tonalität im Blick hat, aber auch technisch einiges aus den gewählten Treibern herausholen kann. Dabei richteten sich die einzelnen Modelle trotz unterschiedlicher Signaturen im Kern meist an die allgemeinen Hörgewohnheiten ohne große Experimente (den Voyager 3 klammere ich mal aus).
Dabei weiß die Firma (welche unter dem Schirmherr Linsoul geführt wird) in nahezu allen Preiskategorien ab 100$ zu überzeugen. Ich gehe aber davon aus, dass in Zukunft auch ein Budgetmodell (vielleicht einen Single-DD) mit ins Portfolio aufgenommen wird.

Doch zurück zum Wesentlichen. Der LEGACY 4 ist neben dem L3, L5 & L9 der vierte und aktuell neuste Vertreter der Serie. Wem beim L3, oder L5 etwas Energie in den oberen Mitten und Höhen gefehlt hat, bekommt dies nun mit dem L4. Für mich ein absolutes Value und tonal, aber auch technisch ein fantastischer IEM in seiner Preisklasse.

Handling

EM-Case in einem Zubehörcase (On-Ear-Format), wiederum in einer Schachtelverpackung. Das Auspacken des LEGACY 4 erinnert ein bisschen an eine Matrjoschka. Gerade das üppige Zubehör-Case ist sehr ungewöhnlich und für unterwegs nur bedingt zu gebrauchen, es sei denn, man möchte seine portable DAC-Sammlung und 10 Kabel mitnehmen. «Leider» ist das Inlay nicht herausnehmbar und so ist man in der Verwendung etwas limitiert (Kulturbeutel, Schminkkoffer, Ü-Eier-Sammlung…).
Dennoch ist dies natürlich nett anzusehen und macht einen hochwertigen Eindruck.

Jaja, Nobel geht die Welt zugrunde. Die Tipauswahl (ausschließlich Silikon eines Types in 3 verschieden Größen mit jeweils 2 Paar) wird auf einer Metallplatte aufgespießt präsentiert. Das versilberte Kabel befindet sich im IEM-Aufbewahrungscase, zusammen mit einem SIM-Karten-Entfernter für die Dip-Switch-Einstellung.
Das 8-Kerne-Kabel ist ganz gut, allerdings fand ich die Kabel des L3 und V3 haptisch ansprechender. Ebenso hätte ich mir ein 2.5mm (balanced) Kabel gewünscht mit 3.5mm Adapter. In diesem Fall ist es "nur" ein Standard 3.5mm Stereo-Anschluss. Das lässt sich jedoch mit einem für meinen Geschmack etwas hohen Aufpreis von 54$ ändern.

Der L4 hat ein klassisches Custom-Style-Design und trägt sich ausgesprochen angenehm. Zugute kommt ihm hier neben der Ergonomie auch das geringe Gewicht sowie die Größe. Im Vergleich zum Moondrop Blessing 2, hat er zum Beispiel deutlich schmalere Klangöffnungen und wirkt auch nicht so klobig, wodurch er sich ebenso für kleinere Ohren eignet. Für einen Aufpreis lassen sich Faceplate und Body anpassen.

Die Verarbeitung ist ohne Beanstandung und auch die Isolation ist ganz gut. Allerdings kann man keine absolute Abschirmung erwarten, da durch die Luftöffnung für den Bass Außengeräusche besser eindringen können. Nichtsdestotrotz ist die Isolation in einem guten Bereich, auch ohne Musik.

Der L4 lässt sich auch als Custom (CIEM) anfertigen. Für diesen Service zahlt man 70$ drauf, wenn man einen Ohrabdruck zur Verfügung stellen kann.

Klang

Der Legacy 4 hat einen warmen Grundton mit warm/neutralen Mitten und leichter Helligkeit im Hochton, was ihm eine frische, aber entspannte Signatur beschert, die sich an HARMAN orientiert. Eine massentaugliche Abstimmung also, die sich als souveräner Allrounder entpuppt und durch die guten technischen Eigenschaften auch zum genaueren Hinhören einlädt. Die Beschreibung des Klangs beruht auf die Switcheinstellung 0|1.

Der Tiefton wird durch einen dynamischen Treiber abgedeckt und punkten mit einem erweiterten Tiefgang und Punch. Dabei schlägt er aber nicht trocken und allzu fest zu, sondern bewahrt sich eine gewisse Softness, welche ein natürliches Ansprechverhalten des Basses widerspiegelt und nicht blutleer oder steril wirkt. Im Gegenteil, der Bass spendet der Signatur Wärme, welche allerdings nicht zur Verfälschung beiträgt, sondern mehr einen natürlichen Körper und solides Fundament schafft. Der Bass kann je nach Genre und Mix für Spaß sorgen, übertreibt es allerdings nie und fällt auch bei schnelleren Passagen nicht auseinander. Dennoch würde ich mir noch etwas mehr Textur und Präzision wünschen. Der Tiefton erinnert stark an den L3, allerdings klingt der L4 ein My aufgeräumter und tighter.

Auch in den Mitten ist die Ähnlichkeit zum L3 nicht von der Hand zu weisen. Hier harmoniert der Bass (DD) gut mit dem Mittenbereich (BA), was zu einer warm/neutralen Tonalität führt.
Da der L4 im Gegensatz zum L3 im Oberbass etwas weniger Pegel aufweist, erscheinen die Mitten etwas klarer und nicht ganz so voluminös, allerdings wird dies auch stark durch mehr Pegel im oberen Mittenbereich beeinflusst. Dadurch klingen sie etwas frischer und ein bisschen mehr In-Sour-Face, ohne aber grell oder unangenehm zu werden. Besondern gefallen mir bei den Mitten der Spagat zwischen Durchsetzungsvermögen und gleichzeitiger Entspanntheit mit tonaler Richtigkeit. Instrumente klingen natürlich und Stimmen haben ein korrektes Timbre, auch wenn sie vielleicht ein klein wenig heller klingen als neutral.

Das ist dem Hochton zuzuschreiben, der gerade um die 5 kHz einen Peak aufweist, der Stimmen Präsenz verleiht, welche einigen eventuell zu viel sein könnte. Das fällt allerdings in einem für mich absoluten tolerierbaren Bereich. Mir gefällt die gewonnene Spritzigkeit und auch die erzeugte Luftigkeit. Da der Hochton nicht sonderlich viel verschleiert, sollte die Musik gut abgemischt sein, da es sonst zum Beispiel schnell etwas blechern bei Becken werden kann und der Hochton unsauberer klingt als der ist. Wie gesagt, das ist jedoch dann klar eine Schwäche des Musikmaterials, da der L4 im Hochton recht kompromisslos ist. Es fehlt ihm in den Obertönen zwar etwas an Erweiterung und Pegel, aber dennoch kommt die Brillanz nicht zu kurz und wird, wenn nur absolute Treble-Fanatiker mit einem ernüchterten Blick zurücklassen. Ich persönlich finde sogar den Hochton als absolute Stärke des L4, was ihn im Grunde auch vom L3 abhebt und einen größeren Mehrwert gibt.

Technisch ist der L4 sehr solide aufgestellt und seinem Preisschild mehr als angemessen. Er schafft eine leichte Außer-Kopf-Erfahrung mit einer sehr guten Separation und Layering. Musik hören macht mit dem L4 nicht nur aufgrund der guten Tonalität und dem punchigen Fundament Spaß, sondern auch durch feine Details, welche sehr gut ortbar sind und einem stets bei Laune halten und Interesse wecken. Die 4 Treiber harmonieren miteinander und können ihre jeweiligen Stärken ausspielen. Ja, man hört das BA-Treiber für den Mitten und Hochton verantwortlich sind, aber nicht, weil dieser Bereich unnatürlich klingt, sondern eben die Vorteile der Treiberart zur Geltung kommen.

Switch – der L4 ist mit 2 Dip-Switchen am Gehäuse ausgestattet. Ähnlich wie beim L3 ist der erste Switch aber praktisch nutzlos und eine klangliche Änderung erfordert einiges an Einbildung.
Der zweite Switch sorgt jedoch für einen hörbaren Unterschied und ist ein nettes Tool, um den Klang nach seinen Präferenzen zu modifizieren. Ich persönlich favorisiere die Einstellung 0|1, da diese mehr Balance in die Signatur bringt. In der Einstellung 0|0 geht der L4 mehr in die Richtung «V» mit mehr Pegel im Bass und Hochton. Für mich wird er dann leicht unangenehm spitz und die Mitten treten etwas mehr in den Hintergrund. Dennoch kann diese Einstellung zum Beispiel für Rockmusik einen Mehrwert bieten.

Outro

Für mich ist der Legacy 4 ein IEM, der durch seine gelinde gesagt balancierten Mainstreamstimmung mit leichter Helligkeit nicht nur tonal auf einem sehr hohen Niveau spielt, sondern sich auch technisch nicht viel vorwerfen lassen muss. Wer sich zum Kauf des L4 entschließt, wird auch über den New-Toy-Bonus hinaus viel Freude an dem IEM haben, da er neben seinen Allrounderqualitäten auch die nötige Prise Feingefühl mitbringt, um auch audiophile Herzen höherschlagen zu lassen.
Der L4 ist für mich das Sinnbild der Mittelklasse mit Features der Oberklasse. Klar wird man beim L4 nicht die absolute Auflösung, skalpellscharfe Separation oder exzessive Erweiterung an beiden Enden finden, aber das wäre dann auch ein (Wunsch-)TOTL-IEM, welcher weitaus teurer anzusiedeln ist.
Was dem L4 aber zugutegehalten werden muss, ist die authentische, erfrischende und natürliche Spielweise mit feinen Details und Pegelfestigkeit. Tonal ohne grobe Schnitzer, auch wenn sicherlich nicht neutral abgestimmt und dazu ein äußerst langzeittauglicher IEM, der ein herausragendes Gesamtpaket liefert und die klaren Vorteile eines Hybriden IEMs herausarbeitet.

Wer es gerne noch etwas knackiger sowie technischer hat und den Fokus mehr auf Neutralität anstatt Musikalität legen möchte, der solle sich mal den SEEAUDIO YUME in derselben Preisklasse ansehen, welcher ebenso ein erstaunliches Value darstellt.

Legende

Haptik:
Hier spielt die Verarbeitung mit rein und die Nutzbarkeit des Lieferumfangs. Zusätzlich das Erscheinungsbild, Tragekomfort und die Robustheit.


Value:
Hier bewerte ich für mich subjektiv das Preis-/Leistungsverhältnis - fließt nicht in die Bewertung ein!

Z: No Brainer

A: gut investiertes Geld

B: kann man schon machen

C: gibt besseres für weniger Geld

D: überteuert

E: Liebhaberpreis

Alltag:
Hier lasse ich vor allem die Durchhörbarkeit einfließen und ob ich ihn Out-Of-The-Box gut hören kann. Das ist natürlich sehr subjektiv und daher nur ein minimaler Abzug, oder Bonus.

(-0.1, 0, +0.1)

BL-03.jpg

Bewertung in Buchstaben

S: 9.5 - 10

A: 9.0 - 9.4​

B: 8.0 - 8.9​

C: 7.0 - 7.9

D: 6.0 - 6.9​
E: 5.0 - 5.9​

F: 0.0 - 4.9​

LEGACY 3

LEGACY 4

VOYAGER 3

Zweite Meinung:

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CHI-FIEAR © 2020 by David Hahn

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