HIGH-CLASS
IN-EAR

P1

TIN HIFI

Wertung

Preis

8.8

150 €

Review published:

11/2019

Treiber

1

pro Seite

0

Dynamisch

0

Balanced

Widerstand

20 Ohm

PZ/ES/PL

1

Klang

8

Bass

9

Mitten

9

Höhen

Empfindlichkeit

96 dB

8.7

Handling

9

Haptik

B

Value

+

Alltag

Frequenzgang

10 - 40000 Hz

Intro

Kommen wir nach dem IKKO OH10 zum P1, der sich klanglich zwar grundlegend unterscheidet, aber dennoch einige Gemeinsamkeiten aufweist, was ihn je nach Stimmung für mich zum zweiten täglichen Go-To-Guy macht.
TIN HIFI hat bereits seit einigen Jahren ein sehr hohes Standing in der Community. Wer auf der Suche nach balancierten, sich mehr an Neutralität und Natürlichkeit haltenden In-Ears sucht, wird bei TIN HIFI ohne große Bedenken fündig. Der T2 Pro fällt durch seinen übertriebenen Hochton etwas aus der Reihe, aber der T2, T4 und unter Vorbehalt auch der T3 sind durchweg außergewöhnlich gute In-Ears zu einem sehr erschwinglichen Preis, welche in ihrer jeweiligen Range überdurchschnittlich agieren.

Handling

Der P1 beherbergt in seinem kleinen Metallgehäuse einen 10mm planar magnetischen Treiber. Neben den elektrostatischen Treibern im In-Ear-Format, der neuste Schrei in der In-Ear-Monitoring-Welt.
Durch die Größe und Bauform ist der Tragekomfort des P1 fantastisch. Mit der richtigen Tipwahl, vergisst man irgendwann sogar, dass man etwas im Ohr hat. Ebenso ist die Isolation durch die komplett geschlossene Bauweise in beide Richtungen herausragend.

Die Verpackung, sowie die beigelegten Accessoires, lassen keine Wünsche offen. Auch wenn ich darauf keinen besonderen Wert lege, so freu ich mich doch über die große Tipauswahl, das geschmeidige Kabel und das Aufbewahrungscase, was eher an ein Schmuckkästchen erinnert und daher für den Alltag vielleicht nur bedingt geeignet ist.

Klang

Der haptische und äußerliche Eindruck ist schon einmal mehr als gelungen, aber auf was es mir ankommt ist der Klang und genau der macht den P1 für mich zu einem zeitlosen Meisterwerk, wenn auch nicht zum perfekten Allrounder.

TIN HIFI geht mit dem P1 nicht einfach den Trend mit, um unbedingt ein planaren IEM in ihrem Portfolio zu haben, sondern setzt damit gleich einen Maßstab in der Preisklasse. Ich kann aber völlig nachvollziehen wenn nicht alle etwas mit dem P1 anfangen können.

Wer auf kräftigen, dominanten Bass steht, wird sich mit dem P1 sicherlich schwer tun. Wenn man so will, ist der P1 der bassscheuste unter den TIN HIFI In-Ears. Sub-Bass sucht man mit der Lupe, aber er ist klanglich vorhanden. Ihm fehlt lediglich das Durchsetzungsvermögen. Beim Mittenbass sieht das schon anders aus. Dieser ist mehr als ausreichend vorhanden um einen warmen Klangteppich zu schaffen und besitzt auch ausreichend Impact für unterschiedlichste Musikrichtungen. Allerdings geht ihm doch der Spaßfaktor abhanden. Was den Bass vielmehr auszeichnet, ist seine akkurate Präsentation, Geschwindigkeit und Detailtreue. Er wirkt so spielend leicht, sauber und genau, dass man jede einzelne Note in der richtigen Tonalität hören und Basslines folgen kann, als wäre es das natürlichste der Welt. Fehlt mir der Sub-Bass? Ja und daher gibt es auch Abzüge in der B-Note, aber selbst bei Elektro kann man durch seine Qualität ein ganz anderes, neues Hörempfinden entwickeln.

Kommen wir zu einer Kernkompetenz des P1 und das sind definitiv die Mitten. Solch akkurate, natürlich klingende und hochauflösenden Mitten habe ich bisher nicht allzu oft gehört. Jedes einzelne Instrument, jede Stimme hört sich an, als würde man selbst im Studio sitzen und dem Künstler über die Schulter schauen. Es kursieren die verschiedensten Meinungen über die Mitten des P1 und ich kann auch zum Teil negative Kritiken nachvollziehen. Die P1 sind nun mal recht tipempfindlich, aber ich denke auch, dass bei der Tipauswahl des P1 sicherlich etwas dabei ist, was einen guten Sitz und vor allem die benötigte Isolation bringt. Gut, jeder hört ja auch anders und hat eine andere Meinung, was das Thema In-Ears ja auch so spannend und gleichermaßen unbefriedigend macht. Schlussendlich geht es aber darum für sich selbst sein Klangolymp zu finden und nicht für jemand anders. Vielleicht bin ich da auch etwas zu euphorisch, aber für mich präsentiert der P1 die Mitten genau so, wie sie sein sollen und das von den tiefen bis zu den oberen Mitten ohne Einschränkungen. Der Bass sorgt zudem für einen angenehmen, warmen und vollen Körper. Hervorzuheben ist neben der fantastischen Detailwiedergabe auch die Transparenz. Kurzum: Ich hab mich in die Mitten des P1 verliebt. Kleiner Kritikpunkt: Manchmal sind sie mir einen ganz kleinen Tick zu hell, obwohl ich den P1 im Vergleich zu vielen anderen Chi-Fi-Modellen eher als dunkel bezeichnen würde und sie könnten etwas Lebendiger sein. Das bringt allerdings eine eher neutrale Soundsignatur nun mal mit sich. Wie gesagt der P1 ist sicherlich kein Spaßhörer, obwohl, es kommt darauf an was man unter Spaß versteht.

Die Höhen haben es mir ebenfalls angetan. Geschmeidig, luftig, detailliert, transparent und mit einer schönen Erweiterung. Das Ganze bringt der P1 mit, ohne es einem unter die Nase reiben zu müssen. Er ist sich seiner Stärken bewusst, präsentiert diese aber fast schon devot. Keine unangenehmen Peaks, keine Schärfe, keine Sibilanten. Nahezu unaufgeregt, deckt er Mikrodetails auf und bringt Brillanz im Top-End mit. Natur pur. Dennoch würde ich ihn nicht als sichere Wahl für Treble-Heads bezeichnen, da eventuell nicht die bevorzugte Energie, oder Betonung vorhanden ist. Gott sei Dank ;)

Der P1 glänzt sicherlich nicht mit einer weiten Bühne, aber schafft es innerhalb des etwas intimeren Rahmens ein unglaubliches Gefühl von Räumlichkeit zu schaffen. Das hat vor allem mit der Auflösung und der beeindruckenden Separation zu tun. Jede Stimme, jedes Instrument, jeder Effekt hat seinen Platz, ob nun in der Breite, oder Tiefe, ohne dass es zu Überlagerungen kommt. Man verliert sich unweigerlich in der Musik und das ist wohl eines der größten Komplimente, das man einem In-Ear machen kann.

Outro

Der P1 begeistert durch seine natürliche Instrumenten- und Stimmenwiedergabe. Vor allem bei Musik, welche genau das in den Vordergrund rückt. Vielschichtige Orchester, kein Problem! Komplexe Rockmusik, kein Problem! Singer-Songwriter, unbedingt! Klaviermusik, ohne Worte und so weiter und so weiter.
Dennoch ist er nicht der beste Allrounder. Er ist vielmehr die richtige Wahl zum analytischen, entspannten Hören. Das kann an manchen Tagen genau so Spaß machen, wie den Bass zu spüren, oder von der Energie der Mitten (Musik) mitgerissen zu werden. Die letzten beiden Punkte sind aber nun mal nicht die Kernkompetenz des P1. Was ihn ebenso hemmt, ist die Power die er benötigt, um sein volles Potenzial zu entfalten. Es braucht wirklich einen potenten DAC, welchen man sicherlich nicht immer zur Hand hat. Erst dann öffnet er sich vollkommen. Man bekommt ihn auch mit dem normalen Handyoutput angetrieben, aber dann wird er unter seinen Möglichkeiten agieren, womöglich enttäuschen und eher dünn, unscheinbar, oder langweilig in Erinnerung bleiben.

Ja der P1 hat noch Luft nach oben, was größtenteils Bass und Spritzigkeit anbelangt, aber er sorgt für ein außergewöhnliches Hörerlebnis, welches ich bislang noch nicht erfahren durfte.

Legende

Haptik:
Hier spielt die Verarbeitung mit rein und die Nutzbarkeit des Lieferumfangs. Zusätzlich das Erscheinungsbild, Tragekomfort und die Robustheit.


Value:
Hier bewerte ich für mich subjektiv das Preis-/Leistungsverhältnis - fließt nicht in die Bewertung ein!

Z: No Brainer

A: gut investiertes Geld

B: kann man schon machen

C: gibt besseres für weniger Geld

D: überteuert

E: Liebhaberpreis

Alltag:
Hier lasse ich vor allem die Durchhörbarkeit einfließen und ob ich ihn Out-Of-The-Box gut hören kann. Das ist natürlich sehr subjektiv und daher nur ein minimaler Abzug, oder Bonus.

(-0.1, 0, +0.1)

BL-03.jpg

Bewertung in Buchstaben

S: 9.5 - 10

A: 9.0 - 9.4​

B: 8.0 - 8.9​

C: 7.0 - 7.9

D: 6.0 - 6.9​
E: 5.0 - 5.9​

F: 0.0 - 4.9​

1/0

T2

T3

T2 PLUS

T4

T2 PRO

T515

T2000

P1

Zweite Meinung:

CHI-FIEAR © 2020 by David Hahn

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