Review: AKG K702 - OPEN BACK - DE

Aktualisiert: Okt 7

Referenzklang für den "kleinen" Geldbeutel in english


Frequenzbereich: 10 - 39800 Hz | Schalldruckpegel: 105 dB | Impedanz: 62 Ohm | dynamisch

Es benötigt entweder eine volle Haarpracht, oder eine anderweitige Kopfbedeckung, wenn man den K702 länger benutzen möchte.

Klang 8.1

Bass Mitten Höhen Bühne Imaging

8 8 8 8.5 8


Handling 7.5

Verarbeitung Komfort Ohrpads Kopfband Gewicht

9 6 8 4 231 Gramm


Gesamt 7.9

Preis 130 €

Quickcheck

Pro Contra - klar und detailliert - Mitten etwas lautstärkeempfindlich

- weite Bühne - Bass nicht sonderlich druckvoll

- neutrales/warmes Tuning - Kopfband wird schnell unbequem

- abnehmbares Kabel - Isolation

Intro

AKG hat mit dem K702 einen Referenzhörer fürs Studio und Mischen im Angebot, der nicht nur erschwinglich ist, sondern seinem Anspruch auch standhält. Er ist neutral abgestimmt, mit warmen Grundton und klingt sehr authentisch, vor allem bei Stimmen, aber auch etwas nüchtern.

Handling

Plastik, Metall, Leder, Velours - der AKG K702 ist eine stimmige Mischung aus verschiedenen Materialien. Trotzt seiner ausladenden Ohrhörer, wirkt er recht filigran und auch wertig verarbeitet. Ebenso macht er einen robusten Eindruck was für eine alltägliche Verwendung in der (professionellen) Musikproduktion auch von Nöten ist. Beim K702 steht nicht nur "Over-Ear" drauf, die Ohrhörer umschließen in der Tat das komplette Ohr, ohne dass dieses ans Gehäuse, oder an die Velours-Polsterung (kann bei Brillenträgern quietschen) anstößt. Durch die offene Bauform trägt das zwar nichts zur Isolation bei (nahezu nicht vorhanden), aber es gibt einem ein gutes Tragegefühl, zumindest was die Ohren betrifft, obwohl ich mir die Pads noch etwas weicher/nachgebender wünschen würde.


Was sich AKG allerdings beim Kopfband gedacht hat, bleibt ein Rätsel. Es passt sich zwar mit Hilfe von Gummistrappern der Kopfform an, aber besitzt sehr starre, breite "Noppen", welche schnell zu Kopfschmerzen führen können. Sie sind sehr hart und bieten in keinster Weise Polsterung. Hätte man sie einfach weggelassen, wäre der K702 mit einem flachen Lederband sicherlich bereits komfortabler gewesen. Es benötigt entweder eine volle Haarpracht, oder eine anderweitige Kopfbedeckung, wenn man den K702 länger benutzen möchte. Das Kabel ist abnehmbar und besitzt einen 3.5mm Anschluss, welcher sich auf 6.3mm (Adapter beiliegend) adaptieren lässt. Die Verbindung zum Kopfhörer (einseitige Führung) ist ein Mini-XLR Stecker.


Update: Die neueren Produktionsreihen haben wohl ein flaches Kopfband, wodurch die Kopfschmerzen Vergangenheit sind.

Klang

Bass

Spaß im Sinne von Quantität macht der Bass nicht wirklich. Das muss er aber auch nicht und es wäre auch nicht sonderlich hilfreich, wenn der Bass fürs Mastering, oder zur Aufnahme durch einen Boost verfälscht wäre. Er ist recht steril, dafür sehr akkurat mit leichter Wärme, welche sich über die Signatur legt. Im absoluten Tiefton ist er nicht zu Hause, zumindest ist dieser schwer lokalisierbar. Das dieser aber existiert spürt man durchaus, wenn man seine Hand an die Ohrmuscheln hält, oder diese näher ans Ohr drückt. Als Referenz ist er ansprechend, als spaßiger Taktgeber eher weniger. Allerdings agiert er nicht blutarm und hat auch seine musikalische Seite, nur Druck wird nicht aufgebaut.


Mitten

Etwas schrill und leicht gedämpft. Im direkten Vergleich zum Q701 fehlt es ein bisschen an Durchsetzungsvermögen und man hat den Eindruck sie wären etwas verwaschen, aber im Grunde sind sie klar und ausgewogen, mit einem leichten Push in den oberen Mitten, der ihnen Energie verleiht, manchmal sogar mit zu viel Engagement und Aggressivität (bei erhöhter Lautstärke). Tonal kann ich ihnen wenig vorwerfen, mir fehlt allerdings etwas die Reife und Körper. Stimmen und Instrumente klingen überwiegend authentisch, aber nicht sonderlich aufregend. Nüchtern beschreibt die Mitten ganz gut, mit Freude am Detail.


Höhen

Die Höhen sind eher Sonnen- anstatt Schattenkinder. Allerdings übertreiben sie es nicht mit der Helligkeit, sondern spielen mit einem hauch Wärme sehr gelassen und unaufgeregt. Sie haben zwar einen recht luftigen und transparenten Charakter, aber ich muss ab und an genauer hinhören um Details auszumachen, die mir zum Beispiel beim K812 wesentlich leichter zugänglich sind. Hier wurde etwas mehr auf Sicherheit wert gelegt, um weitestgehend ermüdungsfrei zu bleiben. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass mir Informationen vorenthalten werden, es bedarf nur etwas mehr Konzentration. Die leichte Sibilantenbetonung soll aber nicht unterschlagen werden.


Bühne

Ich will nicht pauschalisieren, aber offene Kopfhörer haben meist allein von der Bauweise einen Vorteil in der Bühnenausdehnung. Der K702 macht hier keine Ausnahme und ist in der Tat sehr räumlich. Ich höre allerdings leichte Schwächen in der Tiefe und auch in der Vertikalen. In der Breite macht der K702 aber eine sehr gute Figur. Der Preis ist allerdings hoch, da der Kopfhörer durch seine nicht vorhandenen Isolation mehr oder weniger nur im Studio, oder in den eigenen 4 Wänden zu gebrauchen ist.

Imaging

Stimmen sind etwas mehr im Mix platziert als im Vordergrund, wodurch man mehr das Gefühl bekommt sich innerhalb der Musik/Band zu befinden, als im Publikum. Blasinstrumente sind allerdings mehr "In Your Face ".

Klanglich spielt sich mehr im Stereobild (Breite) ab, ohne in der Höhe, oder Tiefe all zu viele Ebenen aufzubauen, aber man bekommt dennoch ein gut aufgegliedertes 3D-Bild. Die Separation ist mir allerdings etwas zu stark auf links/rechs ausgelegt und könnte etwas differenzierter sein.

Outro

Der AKG K702 kann mit tonaler Korrektheit punkten, einer breiten Bühne und einer neutralen Signatur mit leichter Wärme. Allerdings können die Mitten etwas fordernd werden, die Höhen dürften gern etwas spritziger agieren und der Bass mach sicherlich keine Liebhaber der drückenden Bässe glücklich, sondern spielt eher trocken und neutral. Der K702 ist sicherlich kein Spaßhörer, sondern dient eher als Referenz, auch wenn er in allen Disziplinen Luft nach oben hat. Ich sehe ihn in seiner Preisrange allerdings kompetitiv und technisch und tonal kompetent. Die Durchhörbarkeit kann allerdings (Genreabhängig) durch die oberen Mitten und den Kopfbandkomfort etwas eingeschränkt sein. Ebenso ist er unterwegs kaum zu gebrauchen wenn man seine Mitmenschen gerne hat und fühlt sich vor allem im Studio wohl.


Danke an Sattler Electronic Showtronic AG für die Zurverfügungstellung der Test-Kopfhörer.

CHI-FIEAR © 2020 by David Hahn

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