Review: AKG Q701 - OPEN BACK - DE

Aktualisiert: Okt 8

Neutraler Klang fürs Studio und die Couch in english


Frequenzbereich: 10 - 39800 Hz | Schalldruckpegel: 105 dB | Impedanz: 62 Ohm | dynamisch

Ich möchte nicht ketzerisch sein, aber ich vermute im Grunde den selben Treiber wie beim K701/702 auch im Q701. Zu sehr gleichen sich die klanglichen Grundmerkmale.

Klang 8.4

Bass Mitten Höhen Bühne Imaging

8 8.5 8.5 8.5 8.5


Handling 7.5

Verarbeitung Komfort Ohrpads Kopfband Gewicht

9 6 8 4 235 Gramm


Gesamt 8.1

Preis 150 € - 400 €

Quickcheck

Pro Contra - Detailvielfalt & Natürlichkeit - Stimmen sind manchmal etwas fordernd

- neutrales Tuning - im oberen Bereich vielleicht etwas zu hell

- klasse 3D-Bild - Kopfband wird schnell unbequem

- abnehmbares Kabel - Isolation

Intro

Quincy Jones sollte einigen ein Begriff sein und das sich mit "Namen" gut Produkte vermarkten lassen, ist auch AKG nicht entgangen. Ob dies nun direkt den damaligen Einstiegspreis von rund 500€ rechtfertigt ist jedem selbst überlassen. Der Preis ging auch schnell runter und pegelte sich um die 250€ ein. Mittlerweile ist der Q701 offiziell nicht mehr verfügbar und so sind aktuell nur (teilweise überteuerte) Restbestände, oder 2. Hand-Modelle zu erwerben.


Ich möchte nicht ketzerisch sein, aber ich vermute im Grunde den selben Treiber wie beim K701/702 auch im Q701. Zu sehr gleichen sich die klanglichen Grundmerkmale.

Handling

Plastik, Metall, Leder, Velours - die 7er Serie unterscheidet sich nicht nur optisch kaum, die Materialien bleiben ebenso hochwertig und selbst das verwendete Plastik fügt sich hier gut ein, ohne einen Spielzeugcharakter zu bekommen. Okay, der Q701 wurde auch in quietschgrün vertrieben, was dann natürlich recht polarisierend ist. Der Kopfhörer umschließt das ganze Ohr und sorgt so für einen guten Tragekomfort, aber mir sind die Velours-Pads noch ein bisschen zu fest. AKG hat auf die Kopfbandkritik reagiert und bietet den K701 & K702 mittlerweile mit flachem Leder-Kopfband an, um Schmerzen durch die harten "Noppen" der ursprünglichen Variante zu minimieren. Allerdings wird der Q701 nicht mehr produziert und so muss man mit dem originalen Kopfband leben, falls man überhaupt noch einen ergattern kann und kein Bastelkönig ist Das Kabel (2x - 3m & 6m) ist abnehmbar und besitzt einen 3.5mm Anschluss, welcher sich auf 6.3mm (Adapter beiliegend) adaptieren lässt. Die Verbindung zum Kopfhörer (einseitige Führung) ist ein Mini-XLR Stecker. Die beigelegten Kabellängen machen schon klar, dass der Q701 nicht für unterwegs gedacht ist, sondern sich mehr im Studio, oder auf dem Sofa am wohlsten fühlt. Dafür spricht ebenso die nicht existente Isolation, was nicht nur viele Störgeräusche einfließen lässt, sondern auch absondert. Das macht den Q701 auch fürs Recording weniger geeignet, zumindest nicht zusammen mit anderen Musikern zur gleichen Zeit.

Klang

Bass

Viel Bass wird man von der 7er Serie von AKG generell nicht erwarten können. Es sind Studio, bzw. Referenzhörer die mehr auf Neutralität setzten als auf fette Beats. Der Bass ist recht trocken, aber besitzt eine gute Textur und vor allem Qualität, auch wenn er die sehr tiefen Regionen gekonnt umschifft. Ich gebe zu, dass ich mir manchmal einfach einen knackigen, dicken Bass wünschen würde, wenn es darum geht mal kurz abzuschalten und ein bisschen mit Fuß und/oder Kopf mitzuwippen, aber solch eine Basspräsentation ist nun mal als Referenzabhöre, oder fürs Mixen kontraproduktiv.


Mitten

Abschalten ist generell kein wirklich vertrautes Wort für den Q701. Er ist stets auf Zack und macht immer wieder mal mehr, mal weniger aufdringlich darauf aufmerksam, was in der Musik so alles enthalten ist. Die Mitten sind im Vergleich zum K702 etwas heller und direkter. Ich habe die leichte Aggressivität schon beim K702 etwas kritisiert und das muss ich nun auch beim Q701, zumindest was meine Präferenzen betrifft. Was der Q701 aber besser macht ist die Separation, Klarheit und auch die Detailfülle, zumindest was deren Präsentation anbelangt. Dafür werden Stimmen auch etwas aufdringlicher und es wird mehr auf Analyse, als auf Entspanntheit gesetzt. Dennoch behält sich der Q701 eine leichte Wärme, was ihn vor der Sterilität bewahrt. Ich finde Instrumente absolut Glaubwürdig und man hört auch feinste Nuancen.


Höhen

Die Höhen überzeugen mich beim Q701 mit am meisten, auch wenn der Q701 im Grunde in der ganzen Bandpreite zu überzeugen weiß, auch wenn er nicht absolut meine Präferenzen abdecken kann. Ich stehe mehr auf den großen, weichen, detaillierten, sicheren und harmonischen Klang, in dem man sich leicht verlieren kann. Die Höhen spiegeln das ganz gut wieder, auch wenn sie manchmal etwas spitz werden können und in dem Zuge auch nicht ganz sibilantenfrei sind, aber sie sind wunderbar differenziert und transparent. Ihre Lebendigkeit ist ansteckend, aber was mich betrifft auch nicht auf Dauer.


Bühne

Der Q701 wird im Gegensatz zum K701/702 als halboffen angegeben, was mich etwas verwundert, da zum einen der Schallaustritt nach außen auf einem gleichen Level liegt, zum anderen aber auch die Bühnenausdehnung in der Breite absolut deckungsgleich ist, wenn nicht sogar noch etwas ausgedehnter. In der Tiefe darf es gerne noch etwas mehr sein.

Imaging

Das erzeugte 3D-Bild des Q701 ist schon ein kleines Kunstwerk und es bietet reichlich Platz um auch jedem Instrument, oder Detail seinen angemessenen Raum zu geben. Wie auch beim K702 ist mir die Separation etwas zu sehr auf links/rechts ausgelegt, aber der Q701 öffnet sich in der Vertikalen mehr und so öffnet sich auch der Klang nach oben. Der K702 klingt etwas gepresster im Vergleich und ebenso zeigt sich der Q701 auch bei Informationsvielfalt einem besseren Durchblick.

Outro

Der Q701 ist ein besonderer Kopfhörer und eine Empfehlung wert, unabhängig von der Exklusivität, wenn man eine Referenz sucht und nicht bereit ist dafür in den 1000 € Bereich zu gehen.

Es bedarf sicherlich eine kurze klangliche Eingewöhnungszeit, aber ich weiß den analytischen und zugleich musikalischen Charakter des Q701 sehr zu schätzen, auch wenn er mich hier und da etwas piesackt und dadurch die Durchhörbarkeit (abgesehen vom Kopfband) eingeschränkt ist. Wem der Q701 zu forsch ist, findet vielleicht schon beim K702 sein Glück, der wie eine etwas gedämpfte Version des Q701 klingt. Für den privaten Gebrauch ist der Q701 zwar recht limitiert und man sollte seinen eigenen (ruhigen) Raum zur Verfügung haben, aber es bereitet viel Freude damit Musik zu konsumieren und wenn nötig auch zu sezieren. Allerdings ist dies nicht mein Anspruch/Kopfhörer im Alltag.


Ob nun der selbe Treiber beim Q701 im Vergleich zum K701/702 verbaut und nur mit Hilfe von anderen, oder fehlenden Filtern der Klang beeinflusst wurde, ist im Endeffekt auch irrelevant. Allerdings hätte ich seinerzeit den aufgerufenen Preis sicherlich nicht bezahlt, denn einen solch großen Klangvorteil bietet mir der Q701 zu seinen K-Geschwistern dann auch nicht. Wenn man ein Angebot unter 200 € bekommt, hat man allerdings einen guten Kauf getätigt.


Im Internet findet man auch einige Anleitungen für einen Bass-Mod, der rückgängig gemacht werden kann und den Rest der Signatur nicht beeinflussen soll.


Danke an Sattler Electronic Showtronic AG für die Zurverfügungstellung der Test-Kopfhörer.

CHI-FIEAR © 2020 by David Hahn

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