IN-EAR
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AV3

AVARA

Bewertung

Preis

8.3

305 €

Review published:

07/2020

Company.png

Treiber

3

pro Seite

0

Dynamisch

3

Balanced

Widerstand

12 Ohm

PZ/ES/PL

0

Klang

8

Bass

8

Mitten

8.5

Höhen

Empfindlichkeit

104 dB

8.2

Handling

9.5

Haptik

C

Value

0

Alltag

Frequenzgang

10 - 22000 Hz

Intro

AVARA ist eine kleine C-IEM Manufaktur aus Indonesien, welche vor allem den lokalen Markt mit ihren Produkten bedienen möchte und so für manch einen ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis bieten kann. Es gibt bereits einige Modelle mit unterschiedlichen Konfigurationen (der AV3 besitzt 3 BA-Treiber (Bass – Mitten – Höhen)) im Portfolio in einer Preisspanne von 99 – 1199 $ was die Custom-IEM betrifft. Es gibt sogar ab 40 $ einen persönlich gestaltbaren Universal-IEM (NEO).
Hervorzuheben ist, dass natürlich alle Modelle der Custom-Serie auch als universellen In-Ear zu haben sind und der Custom dabei keinen Aufpreis kostet. Aufpreise entstehen nur bei den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten. Der AV3 stellt dabei laut Hersteller den musikalischen Allrounder dar, der ein sehr gefälliges Tuning haben soll und eine breite Masse bedienen kann. Gucken wir mal was da dran ist.

Handling

Ich habe den AV3 als universelles Modell erhalten. Dennoch hat man sofort das Gefühl einen Custom im Ohr zu haben. Die Passform ist sehr gut und auch Isolation und Tragekomfort lassen keine Wünsche offen.

Im Lieferumfang enthalten ist ein silbernes Kabel, was nicht ganz so hochwertig wirkt, aber auch kein Ramsch ist. Dazu gibt es eine Tipauswahl (Silikon), ein Transportcase, ein Reinigungstool, einen Kabelorganisator aus Leder und einen Schlüsselanhänger. Dazu liegt ein Kärtchen bei, wo die Seriennummer drauf steht, sowie der eigene und der Name dessen, der die Qualitätskontrolle durchgeführt hat. In meinem Fall war es der Chef persönlich.

Viel mehr gibt es hier eigentlich auch nicht zu sagen. Ein IEM soll meines Erachtens auch mehr durch den Klang bestechen, als durch das Zubehör, welches bei einem Custom-IEM durch das Wegfallen der Tips etc. meist eh sporadischer ausfällt.

Der Custom-Builder, welcher auf der Webseite integriert ist, lässt sich sehr einfach bedienen und bietet vielseitige Möglichkeiten sich seinen eigenen IEM zu gestalten. Auch eigene Entwürfe lassen sich hochladen und anpassen.

http://www.avara-custom.com/iem-builder-usd/

Klang

Laut dem Gründer von AVARA ist der AV3 klanglich an den WESTONE AM30Pro angelehnt. Nun, ich habe den AM30 Pro nie gehört, daher kann ich dies nicht beurteilen, aber wenn dieser leicht gedämpfter, wärmer, schwerer und manchmal in den Mitten etwas komprimiert klingt, was Stimmen betrifft, allerdings eine anständige Detailwiedergabe besitzt, sich recht homogen präsentiert, ohne an beiden Frequenzgangenden die größte Erweiterung zu haben, und eine ordentliches 3D-Bild abgibt, dann klingt der AV3 auch so. Versteht mich nicht falsch, der AV3 ist wirklich nicht schlecht, nur ich bin etwas kritischer mit meinen Worten in dieser Preisklasse, stelle meine persönliche Bewertung schlussendlich aber immer fair gegenüber Budget-Modellen dar, was die Punkte betrifft.

Der Bass ist leicht aufgebläht und kommt manchmal nicht so richtig zum Punkt. Er ist jedoch recht punchig, aber nicht sonderlich knackig im Mittenbass und mehr in Richtung warm und spaßig abgestimmt. Man erkennt sofort, dass hier ein BA-Treiber am Arbeiten ist. Er spendet der Signatur etwas zu viel Wärme für mein Befinden und erdrückt damit manchmal leicht die Mitten, aber durchaus tolerierbar. Dennoch kann er mich qualitativ überzeugen ist aber von der entspannteren, weicheren Sorte, mit guter Detailwiedergabe.

Warm, samtig weich und etwas schwer, präsentieren sich die Mitten. Sie haben bei mir einiges an Eingewöhnungszeit gebraucht, damit ich mit ihm im wahrsten Sinne des Wortes “warm“ werden konnte. Der AV3 ist kein IEM den man zwingend laut hören möchte, da sich sonst die gute Homogenität etwas verlagert und die Mitten mehr in den Hintergrund gerückt werden, dennoch der ein oder andere Peak auftreten kann und der Bass etwas zu mächtig wirkt. Auf leiser bis moderater Lautstärke jedoch klingen sie gut balanciert, punkten mit feinen Details und haben eine sehr aufgeräumte Bühne. Nur erschienen mir Stimmen etwas zu warm und nicht sonderlich lebendig, was auch für die Instrumente zutrifft. Da darf es gerne etwas sachlicher und knackiger zur Sache gehen. Dennoch wirklich gute Mitten, wenn man sich mit ihnen arrangiert hat.

Die Höhen sind sehr entspannt, ohne in irgendeiner Form unangenehm aufzufallen, aber lassen sich gleichzeitig auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Sie gliedern sich sehr gut ins Klangbild ein, lassen aber im absoluten Hochton Körner liegen und beschränken sich darauf genügend Informationen abzudecken, damit es nicht langweilig wird, aber sind nicht sonderlich engagiert, oder aufregend. Das muss es auch nicht immer sein und ich weiß eine subtilere Höhenwiedergabe auch sehr zu schätzen so lange es nicht ins Dunkle abdriftet, was hier nicht der Fall ist. Sie sind sehr geschmeidig, aber es fehlt mir dennoch etwas die Luftigkeit und Leichtigkeit. Etwas mehr Nachdruck, vor allem was die Abklingzeit der Becken anbelangt wäre auch nicht verkehrt, das kommt mir etwas zu kurz, was dem Ganzen leicht die Natürlichkeit raubt, aber dafür kann ich den Höhen problemlos folgen und auch feinere Details sind jederzeit ortbar. Für mich eigentlich die stärkste Eigenschaft des AV3.

Die Bühne ist zum Teil ein zweischneidiges Schwert. Manchmal beeindruckend ausgedehnt, manchmal etwas komprimiert. Stark informationshaltige Musik kann mich dabei meist weniger überzeugen, sondern der AV3 catcht mich mehr bei aufgeräumten und ruhigen Songs, wo es nicht großartig auf Effekthascherei ankommt.

Outro

Technisch kann ich dem AV3 zum größten Teil keine Vorwürfe machen, aber ich muss ehrlich gestehen, dass er nicht ganz meinen Geschmack trifft. Mir fehlt die Transparenz, die Offenheit, der leichten Push in den oberen Mitten, unteren Höhen und die Sub-Bass Erweiterung. Ja ich mag die Harman-Kurve ganz gerne, aber ich kann auch mit vielen anderen Signaturen etwas anfangen. Die des AV3 ist leider nur bedingt solch eine, auch wenn sich diese recht homogen präsentiert, ohne irgendetwas stärker herauszustellen und ich durch die entspannte Präsentation stundenlang Musik konsumieren kann, auch wenn sie mich dabei nicht immer begeistert.
Was mir gefällt ist der entspannte Hochton, der zwar subtiler als präferiert ist, aber dennoch eine sehr gute Auflösung aufweist. Der Bass ist qualitativ und quantitativ gut, reißt mich aber nicht vollkommen vom Hocker. Dennoch ein guter BA-Vertreter. Leichte Probleme habe ich im Mittenbereich da mir diese zu warm sind und total nicht immer korrekt wirken und etwas Eingewöhnungszeit brauchen, damit sie subjektiv aufklaren, vor allem wenn man von einer helleren Signatur kommt.
E-Gitarren, oder Synthies haben manchmal etwas Anstrengendes an sich, vor allem bei höherer Lautstärke und Stimmen klingen nicht richtig authentisch, sondern schwerer und zum Teil dumpfer als gewohnt. Auf der anderen Seite sind die Mitten aber gut separiert, entspannt, voluminös und die Bühne kann sich in der links-rechts Orientierung, sowie Tiefe wirklich hören lassen! Hat aber leichte schwächen in der Horizontalen und wenn es hektischer wird. Ich würde mir den AV3 etwas agiler wünschen, mit mehr Leichtigkeit.

Wenn ich jetzt mal außer Acht lasse, dass der AV3 für den gleichen Preis auch als Custom erhältlich ist, was sicherlich ein Kaufargument ist, vor allem wenn man genau auf die Klangeigenschaften des AV3, oder meinetwegen auch auf die “WESTONE-Haussignatur“ steht, dann muss ich gestehen, so gerne ich die kleine, unabhängige Firma aus Indonesien auch habe, dass es für meinen Geschmack für diesen Preis andere Alternativen auf dem Markt gibt, die mir mehr zusagen und kohärenter, transparenter und tonal korrekter klingen, oder sagen wir lieber, wo der Klang einfacher zu greifen ist. Das soll den AV3 sicherlich nicht schmälern, denn er hat ganz gute technische Eigenschaften aus objektiver Sicht, aber er trifft tonal einfach nicht wirklich meine Präferenzen.
Da aber jeder IEM der Firma, laut Alvon (Gründer von AVARA) ein differenziertes Tuning aufweist, gibt es vielleicht auch etwas in der Auswahl was meinen Geschmack treffen könnte, vor allem wenn es in den helleren, analytischeren Bereich geht, vom Tuning des AV3 ausgehend.
Der AV3 wird damit beworben, dass er im Portfolio der musikalischste, audiophile Allrounder ist, wohl weil er einen angehobenen Bass hat und weniger analytisch klingt, dennoch Details nicht verschleiert und eine weite Bühne bietet, aber bei mir mag der Funke nicht vollkommen überspringen, auch wenn ich die Entspanntheit und Balance im Frequenzgang schätze und dies eigentlich laut Beschreibung ein IEM sein kann, der meinen Geschmack treffen könnte.
So sticht der AV3 in keinem Bereich wirklich heraus, obwohl mir die Höhen am besten gefallen, sondern absolviert qualitativ sehr hochwertig seine Arbeit. Sehr guter IEM, aber nicht herausragend.

http://www.avara-custom.com/products/earphone/avara-av3/

Legende

Haptik:
Hier spielt die Verarbeitung mit rein und die Nutzbarkeit des Lieferumfangs. Zusätzlich das Erscheinungsbild, Tragekomfort und die Robustheit.


Value:
Hier bewerte ich für mich subjektiv das Preis-/Leistungsverhältnis - fließt nicht in die Bewertung ein!

Z: No Brainer

A: gut investiertes Geld

B: kann man schon machen

C: gibt besseres für weniger Geld

D: überteuert

E: Liebhaberpreis

Alltag:
Hier lasse ich vor allem die Durchhörbarkeit einfließen und ob ich ihn Out-Of-The-Box gut hören kann. Das ist natürlich sehr subjektiv und daher nur ein minimaler Abzug, oder Bonus (-0.1, 0, +0.1)

Frequenzgang
AV3

AV3

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