IN-EAR
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KSE1500

SHURE

Bewertung

Preis

8.9

2999 €

Review published:

07/2020

Treiber

1

pro Seite

0

Dynamisch

0

Balanced

Widerstand

n/a

PZ/ES/PL

1

Klang

8.5

Bass

9.5

Mitten

9

Höhen

Empfindlichkeit

113 dB

9

Handling

8

Haptik

E

Value

0

Alltag

Frequenzgang

10 - 50000 Hz

Intro

2999 €, willkommen in meiner persönlichen Utopie. Gleich vorweg: Der KSE1500 bietet ein beeindruckendes Hörerlebnis. Ich kann ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass ich bisher noch kein IEM gehört habe, der in Sachen Transparenz, Auflösung und vor allem vom 3D-Klangbild eine solche Performance abliefert.

Dennoch ist der KSE1500 ein IEM, mit dem ich nicht zu 100% warm werde. Objektiv und zugleich subjektiv betrachtet wird der KSE1500 für manche sicherlich ein End-Game darstellen, auf jeden Fall was den Geldbeutel betrifft, aber ich bin wohl weiterhin auf der niemals endenden Suche.

SHURE ist mit dem KSE1500 eine Art Pionier, was einen elektrostatischen Treiber im In-Ear-format betrifft und hat 2016 damit sicherlich für Furore gesorgt.
Mittlerweile sind 4 Jahre vergangen und die Technik hat sich weiter entwickelt. Ist der KSE1500 dennoch die Messlatte, die es zu erklimmen gilt? Ja und Nein.

Handling

Also, was bekommt man denn für so einen gebrauchten Mittelklassewagen:

1 x Ladegerät mit USB Kabel
1 x Micro-USB-B auf Lightning Kabel, 20 cm
1 x Micro-USB-B OTG Kabel, 20 cm
1 x 3,5 mm Klinken-Kabel, ca. 15 cm
1 x 3,5 mm Klinken-Kabel, ca. 90 cm
1 x 6,3 mm Klinken-Adapter
1 x Aufbewahrungstasche aus Leder
1 x Komfort Transport Case
1 x Flugzeugadapter
1 x Lautstärkeregler (wozu, der DAC/Verstärker hat doch bereits einen Regler?)
1 x Kabel-Clip
2 x Gummi-Sicherheitsbänder
1 x Poliertuch aus Microfaser

Dazu gibt es noch verschiedenste Varianten an Silikon- und Foam-Tips. Am Zubehör soll es also schon mal nicht scheitern. All das wird in einem großen schwarzen Karton geliefert, der ebenso ein Schubfach besitzt um alles unterbringen zu können. So hat man also einen kleinen Schrank im Miniaturformat zu Hause.

Was mich am meisten überrascht und gleichzeitig auch enttäuscht hat, ist der IEM und dessen Aufmachung an sich. Plastik in Plastik mit einem fest verbundenen, dicken Kabel, welches zwar einen wertigen Eindruck macht, aber leider Memory-Draht-Verstärkungen besitzt.
Das eigentliche Gehäuse des elektrostatischen Treibers, wurde quasi noch einmal in eine Plastikhülle gepackt, was dem KSE1500 ein etwas ungewöhnliches Aussehen verleiht. Er ist zudem etwas runder und größer als seine SE-Verwandten, trägt er sich aber ohne Einschränkungen ebenso fantastisch. Die Verarbeitung, oder besser gesagt die Wahl der Materialien, lässt mich aber nicht vermuten, dass ich hier gerade so viel Geld in den Händen halte.

Da ich den KSE1500 durch seinen individuellen Kabelanschluss (LEMO) ausschließlich mit dem mitgelieferten Verstärker betreiben kann (großer Kritikpunkt), muss ich hierzu auch noch kurz ein, zwei Worte verlieren. Dieser hat ein etwas länglicheres abgerundetes Zigarettenschachtelformat und macht im Gegensatz zum KSE1500 einen sehr robusten Eindruck. Voll aufgeladen hält er bis zu 12 Stunden und der integrierte DAC lässt sich problemlos über OTG, oder dem Line-In auch mit dem Handy verbinden. Natürlich ebenso mit anderen mobilen Abspielgeräten, oder dem Laptop, wo er auch direkt erkannt wird. Er hat eine einfache Menüführung, einen Lautstärkeregler und vor allem eine grafische Pegelanzeige auf dem kleinen Display, wo mir auch die aktuelle Lautstärke, Equalizereinstellung, Verbindungsart (Line, oder USB) und der Ladezustand angezeigt wird.

Klang

Für die Rezension steure ich den DAC/Verstärker über USB via Handy an, mit dem USB Audio Player PRO und MQA – Das bedeutet ich konsumiere die Musik Bit-Perfect und lasse den integrierten DAC (24-bit/96 kHz) seine Arbeit verrichten. Die Equalizereinstellung steht auf FLAT und auch sonst habe ich keine weiteren Modifikationen vorgenommen. Der DAC bietet zwar die Möglichkeit sich eine eigene Equalizereinstellung zu basteln und hat ebenso bereits vordefinierte Einstellungen, wie Low-Boost, De-Ess, oder Loudness, aber das verfälscht mir den Klang zu sehr und spiegelt auch den KSE1500 nicht mehr wieder.

Der Bass ist das, was man in der “Fachsprache“ wohl als "leicht nördlich von Neutral" bezeichnet. Er ist im Mittenbass leicht betont und fällt zum Sub-Bass hin ab. Für meinen Geschmack fehlt mir hier etwas der Impact und er dient mehr als notweniges Element, um die Signatur nicht ins sterile abdriften zu lassen, anstatt der Musik seinen Stempel aufzudrücken und einem zum Mitwippen anzustiften. Er verrichtet seine Arbeit souverän, ist sehr sauber, aber entwickelt mir nicht den gewünschten Druck. Mir ist bewusst, dass dies eine Kritik ist, die nicht sonderlich objektiv ist und der KSE1500 möchte sicherlich nicht mit Bass begeistern, sondern mit einer authentischen und neutralen Musikwidergabe, aber mir kommt es etwas auf die Gewichtung in der Signatur an und da dominieren die Höhen im Vergleich zum Bass etwas zu sehr. Der Bass hat aber davon abgesehen eine gute Textur und ist auf dem Punkt, jedoch nicht sonderlich punchig. Wer auf eine authentische, zurückhaltende Basswiedergabe setzt, der findet hier was er sucht. Aber Achtung, möchte man dem Bass ein bisschen Feuer unter dem Hintern machen (DAC-Equalizer) neigt er zur Übersteuerung und wird unsauber. Qualitativ kann man dem Bass aber keine Vorwürfe machen und er ist auch ausreichend vorhanden um in jedem Genre zu bestehen, nur eben nicht im Fokus.

Die Mitten sind fantastisch. Sehr natürlich, unheimlich hochauflösend und transparent, sowie absolut unverfärbt. Dabei sind sie aber weder langweilig noch undynamisch, sondern sind meist musikalisch und mit Leben gefüllt. Stimmen haben ein sehr authentisches Timbre, Gitarren sind mal zart, mal knackig und man kann nicht genug von ihnen bekommen. Die Separation ist außergewöhnlich, sauber und scharf getrennt, ohne dass es künstlich wirkt. Man hat alle Hände voll zu tun den ganzen Informationen in der Musik zu folgen, was manchmal sogar etwas überfordernd werden kann. Warum gibt es dann nicht die volle Punktzahl? Nun, der KSE1500 ist für mich nicht der absolute Allrounder und das spiegelt sich auch in den Mitten wider. Ab und an sind sie mir doch einen Tick zu dünn und ich würde mir etwas mehr Volumen wünschen. Sie schwanken etwas zwischen dem Analytischen und Musikalischen, was aber meckern auf höchstem Niveau ist. Manch einer wird hier sein End-Game finden.

Die Höhen sind quasi das Pendent zum SE846. Driften sie beim SE846 ein bisschen ins Dunkle ab, und haben nicht die absolute Detailvielfalt, so deckt der KSE1500 schonungslos alles auf, was sich an musikalischer Information in einem Track befindet. Das kann manchmal sogar etwas anstrengend werden. Nicht weil es unangenehme Peaks geben würde, oder die Sibilanten stark betont werden (werden sie zwar, aber nicht sonderlich störend), sondern weil die Höhen für meinen Geschmack etwas zu sehr im Fokus liegen und leicht zu hell abgestimmt sind. Trebleheads werden den KSE150 nicht mehr aus dem Ohr nehmen wollen, aber auch alle anderen werden sich an eine überwältigende Detailvielfalt erfreuen, welche überall im Kopf herumschwirren. Ein wirklich erstaunliches Hörerlebnis, was aber auch mit der Zeit überfordernd werden kann, da man vielleicht nicht immer alles mit dieser Präzision messerscharf präsentiert haben, sondern auch mal mit seiner Musik abschalten möchte. Ich höre mit dem KSE1500 zum Teil Nuancen, die mir vorher noch nicht aufgefallen sind und das macht ihn auch so besonders.

Was sich beim KSE1500 im Panaoramabild abspielt ist für einen In-Ear ebenso herausragend wie ungewöhnlich. Ein richtiges Außerkopferlebnis, was sich in der Horizontalen fortsetzt. Mehre Ebenen sind ohne Probleme auszumachen und die Lokalisierung ist ein Kinderspiel.

Outro

Der KSE1500 macht mir die abschließende Bewertung nicht so einfach. Fest steht, dass es sich hierbei um einen IEM handelt der die Musik kompromisslos ins Ohr befördert und auch mit Hochwertiger gefüttert werden möchte. Ich wiederhole mich, aber das Hörerlebnis ist eines, welches ich jedem Audiophilen ans Herz legen möchte. Aber hier liegt auch das Problem. Der KSE1500 ist aufregend, aber irgendwann nutzt sich dieses Erlebnis auch ab und man wünscht sich wieder ein bisschen mehr Alltag und Gemütlichkeit. Autoliebhaber heizen bestimmt auch gerne mal mit einem Lamborghini und Tempo 300 über den Nürburgring, freuen sich dann aber auch wieder auf ihren VW Passat, der gemütlicher ist und wo man jede Macke und Makel kennt, ihn aber dennoch nicht missen möchte.

Abgesehen davon, dass ich den KSE1500 nur in Verbindung mit dem SHURE-Verstärker betreiben kann, genieße ich zwar die musikalische Zeit mit ihm, aber auf Dauer ist er mir dann doch zu korrekt und etwas besserwisserisch. Ja ich weiß, dass mache meiner Lieblingsbands nicht immer die perfekte Aufnahmen haben, aber musst du mir das ständig unter die Nase reiben?

Was ich allerdings nicht verstehe, ist bei diesem Preis das Produkt als solches. Plastik, keine abnehmbaren Kabel und natürlich der Stecker, welcher mit keinem anderen DAC, oder Verstärker kompatibel ist. ich muss also zwangsweise den SHURE-DAC/Verstärker verwenden, ob ich will, oder nicht. Apple lässt grüßen. Der DAC ist nicht schlecht, aber ist er wirklich noch zeitgemäß? Kein MQA, limitiert auf 24-bit/96 kHz (okay ich gebe zu das ich dann irgendwann auch keinen Unterschied mehr höre) und was er an DSD beherrscht kann ich nicht beurteilen.
Wenn ich es richtig verstanden habe, ist der KSE1200 für über 1000 € weniger, der gleiche IEM, nur ohne den integrierten DAC im Verstärker. Nun über 1000 € für einen DAC auszugeben, mag für manche nichts ungewöhnliches sein, aber dann hat man auch einen digitalen Kopfhörerverstärker, der auch mit anderen IEMs kompatibel ist. Legt doch wenigstens einen Adapter bei, oder was auch immer. Für die Bastler unter euch lässt sich vielleicht ein LEMO-Female-Stecker auf einen 2.5mm, oder 3.5mm Klinkeanschluss löten um dies zu umgehen.

Ja, der KSE1500 ist klanglich gesehen mobiles High-End durch und durch, aber für mich reicht es mit ihm eine halben Tag zu verbringen und dann sehne ich mich wieder nach etwas handfesterem und vor allem kompatibleren, sowie unaufgeregteren. Für mich nichts für den Alltag, sondern wenn, möchte ich gezielt mit ihm Zeit verbringen.


Kaufmöglichkeit:
https://amzn.to/31GG10K

Die DEMO-In-Ears wurden mir netterweise direkt von der Shure Distribution Switzerland GmbH zur Verfügung gestellt.

https://www.shure.ch/de-CH/produkte/ohrhoerer/kse1500

Legende

Haptik:
Hier spielt die Verarbeitung mit rein und die Nutzbarkeit des Lieferumfangs. Zusätzlich das Erscheinungsbild, Tragekomfort und die Robustheit.


Value:
Hier bewerte ich für mich subjektiv das Preis-/Leistungsverhältnis - fließt nicht in die Bewertung ein!

Z: No Brainer

A: gut investiertes Geld

B: kann man schon machen

C: gibt besseres für weniger Geld

D: überteuert

E: Liebhaberpreis

Alltag:
Hier lasse ich vor allem die Durchhörbarkeit einfließen und ob ich ihn Out-Of-The-Box gut hören kann. Das ist natürlich sehr subjektiv und daher nur ein minimaler Abzug, oder Bonus (-0.1, 0, +0.1)

Frequenzgang

Bewertung in Buchstaben

S: 9.5 - 10

A: 9.0 - 9.4​

B: 8.0 - 8.9​

C: 7.0 - 7.9

D: 6.0 - 6.9​
E: 5.0 - 5.9​

F: 0.0 - 4.9​

SE215

SE215

SE425

SE425

KSE1500

KSE1500

SE535

SE535

SE846

SE846

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SHURE KSE1500 - 5