IN-EAR
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UE LIVE

ULTIMATE EARS

Bewertung

Preis

8.6

2020 €

Review published:

04/2020

Company.png

Treiber

8

pro Seite

1

Dynamisch

7

Balanced

Widerstand

10 Ohm

PZ/ES/PL

0

Klang

9

Bass

8

Mitten

8.5

Höhen

Empfindlichkeit

105 dB

8.5

Handling

9.5

Haptik

E

Value

0

Alltag

Frequenzgang

5 - 22000 Hz

Intro

Der UE LIVE ist ein wahres Biest. Gleich 8 Treiber lassen ihre Muskeln spielen und davon sind 3 allein nur für den Bass verantwortlich. Bei der ganzen Prahlerei bleibt aber leider etwas die Definition auf der Strecke und so gut und texturiert der Bass auch ist, er hat zu viel Einfluss auf die Signatur und Tonalität. Ein Muskelprotz, der sich wenig sagen lässt und vielleicht ein bisschen zu viel gesundes Selbstbewusstsein hat, wenn man ihn im Alltag bewertet.

UE LIVE wurde bereitgestellt von R+R SonicDesign AG.

Handling

>> Identisch zu allen getesteten Modellen von Ultimate Ears <<

Beim UE LIVE handelt sich grundsätzlich um einen Custom-IEM, welcher aber auch als universeller IEM angefertigt werden kann. Entscheidet man sich für die Custom-Variante, bekommt man anhand eines persönlichen Ohrabdruckes einen individuell angepassten In-Ear, welcher auch nur mit dem eigenen Gehörgang “kompatibel“ ist.
Bei universellen IEMs kommt man um einen Silikon-, oder Foamaufsatz nicht herum (welcher dann natürlich auch im Lieferumfang enthalten ist), was jedoch die Klangcharakteristik beeinflusst kann und sich der Klang dementsprechend positiv, aber auch negativ verfälschen lässt.
Der Lieferumfang besteht aus einem Reinigungstool für die Klangröhrchen, einem abnehmbaren Kabel, welches speziell für den Bühneneinsatz entwickelt wurde und dem IEM an sich. Das alles befindet sich in einem verschraubbaren, runden und schwarzen Metall-Case, oder quadratischem Klappcase, wo der jeweilige Name des Besitzers eingraviert ist.

Ultimate Ears setzt auf einen eigens entwickelten IPX Anschluss bei ihren Produkten. Dieser Anschluss ist weder mit MMCX noch anderen Anschlüssen kompatibel. Ich persönlich finde ihn besser als dem mir bisher bekannten. Er ist kompakter, sitzt bombenfest und lässt sich aber leichter lösen als oftmals beim MMCX. Durch das dichte Abschließen der beiden Anschlüsse (männlich/weiblich) wird verhindert, dass Feuchtigkeit, oder Staub in die Verbindung eindringen kann, was für den Büheneinsatz enorm wichtig ist.
Beim Kabel gibt es die Möglichkeit eines mit, oder ohne Ear-Loop, klar oder schwarz, sowie mit 125 oder 160cm Länge. Zudem gibt es eine Balanced-Version (4-Pol 2.5mm Mini-Jack) und ein Bluetooth-Kabel inkl. Remote für das Telefonieren und Steuern des Smartphones/Players.

Über den Sitz, Komfort und Isolation braucht man sich bei einem Custom-IEM keine Gedanken machen. Egal welche akrobatischen Übungen man ausübt, der IEM wird sich nicht von der Stelle bewegen und auch nahezu komplett von der Aussenwelt isolieren. Sollte doch mal was drücken, oder ist eine Anpassung von Nöten, kann man dies kostenlos beim jeweiligen Distributor, oder bei Ulitimate Ears direkt vornehmen lassen.

Das Reinigungstool ist nicht nur praktisch, sondern auch wirklich nötig, denn wie bei mittlerweile auch vielen Universal-IEMs, wird auf einen Schutz (meist durch ein Metallgitter) im Klangröhrchen verzichtet, wodurch Ohrenschmalz und Schmutz einfacher in den In-Ear gelangen kann. Für den sorgsamen Benutzer ist die Reinigung sicherlich kein Fremdwort, aber es sei dennoch erwähnt.

Das Design des UE LIVE ist individuell jedem selbst überlassen. Was gleich bleibt, ist das durchsichtige 3D-Druckgehäuse mit Einblick ins Innenleben, aber bei der Faceplate kann man sich nach Herzenslust austoben und die Ohrseite ist ja eh individuell nach Ohrabdruck gefertigt.

Klang

Um es mal etwas lapidar auszudrücken, der UE Live klingt einfach fett. Allerdings ist das zum einen positiv, aber gleichermaßen auch negativ gemeint. Der UE LIVE wurde für die großen Bühnen entwickelt, wo meist akkustisch die Hölle los sein kann. Riesige Bässe, meterlange Line-Arrays, überproportionierte Amptower der Bassisten und Gitarristen, sowie ein Drumfill, mit dem man alleine schon kleine Konzerthallen beschallen könnte. Nicht zu vergessen das Publikum.
Das bedeutet ein IEM brauch bei diesen Verhältnissen auch ein Durchsetzungsvermögen, damit der Künstler sich trotzdem auf seinen Gesang und die Band konzentrieren kann. Ohne Zweifel hat der UE LIVE das Volumen und die Power dazu. Das Ganze geschieht aber etwas auf Kosten der akkuraten und natürlichen Klangwiedergabe.

Ich liebe Bass und der Bass des UE Live ist eine Naturgewalt. Ehrlich gesagt habe ich zum Teil Basspassagen so texturiert und knackig selten gehört. Beim UE Live kümmern sich gleich drei Treiber um den Bereich. Ein dynamischer Treiber sorgt für tiefen Sub-Bass und zwei BA-Treiber für alles darüber. Eine 5-Wege-Frequenzweiche versucht alles in die richtigen Bahnen zu lenken, so dass kein Treiber im Alleingang durchdreht, natürlich die Mitten und Höhen mit eingeschlossen, wo noch einmal 5 Treiber dazu kommen. Viele Treiber haben auch immer das Risiko, nicht gut aufeinander abgestimmt zu sein, aber hier funktioniert es, ohne dass man einen Übergang merkt.
Ich habe bisher auch noch nicht erlebt, dass eine hybride Combo, sich um den Bass kümmert und somit Dynamik, Tiefgang, Schnelligkeit, Punch, Details, Druck, Textur und Linearität verbindet. Der Sub-Bass ist nämlich nicht zusätzlich angehoben, sondern auf einem Level mit Mitten und Oberbass.
Ich würde mir als I-Tüpfelchen wünschen, dass er im Oberbass etwas schneller abfällt, damit die Mitten nicht mehr so viel Wärme abbekommen und er noch etwas härter und punchiger agiert.

Die Mitten sind kraftvoll und voluminös. Sie versuchen alles um sich dem Bass entgegen zu setzen und das führt zum Teil dazu, dass es etwas unübersichtlich wird und Transparenz und Detailgrad eher von der puren Kraft übermannt werden, wenn der Bass aufdreht und die Mitten versuchen Schritt zu halten.
Dadurch klingen sie aufgedickt, wärmer als sie sollten. Sie sind zwar wie von UE gewohnt auch durchaus hoch auflösend und besitzen eine gewisse Klarheit und Transparenz, aber haben ihre Stärken und gleichzeitig Schwächen mehr im Körperlichen, als im Geiste.
Der volle Körper den die Mitten Bassgitarren und anderen Instrumenten, wo der Frequenzbereich etwas tiefer liegt, als Basis auf dem Weg geben, trifft grundsätzlich meinen Geschmack und ist vor allem äußerst musikalisch und emotional. Wenn man vom UE Live auf einen anderen IEM wechselt, hört sich auf einmal alles kurzzeitig recht dünn an und man muss sich erstmal wieder umgewöhnen. Schnell merkt man aber wie Stimmen beim UE Live durch diese Präsentation negativ beeinflusst werden, da diese wärmer klingen als gewohnt. Das ist bei beiden Geschlechtern der Fall. Gewöhnt man sich auch dran, aber es hinterlässt einen faden Beigeschmack.
Das Stimmen nicht zu sehr in den Hintergrund gedrängt werden, liegt auch daran, dass der UE Live zwischen 1 und 2 kHz eine ordentliche Anhebung spendiert bekommen hat, die bei vielen anderen Signaturen als komisch empfunden werden würde, aber hier für Durchsetzungsvermögen sorgt und irgendwie funktioniert.
Geht man bei den Mitten weiter nach oben, werden sie natürlicher, organischer und klaren auf. Ich würde es so beschreiben: Was die oberen Mitten, zusammen mit den Höhen schaffen, ist dem kugelrunden Bauch einer werdenden Mutter mit Umstandskleidung zu bedecken, so dass dies aus der Entfernung nicht gleich auffällt. Dennoch ist sie unleugbar Schwanger. UE setzt zwar auf ein sicheres Tuning beim UE Live, allerdings kommen die Sibilanten hier und da doch mal hervor.

Outro

Der UE Live ist ein Kraftprotz und ist nicht so ein Fan von subtilen Komplimenten. Das lässt einen manchmal etwas verstört zurück. Er ist dafür konzipiert dem Künstler auf der Bühne den Rücken frei zu halten, auch wenn die Situation aussichtslos erscheint. Krachende Gitarren, dicker E-Bass, punchiges Schlagzeug: untenrum brennt der UE Live ein Feuerwerk ab.
Ich liebe den Bass und mag seine Höhenpräsentation. Im Grunde bin ich auch ein Fan der kraftvollen, voluminösen und emotionalen Mitten. Allerdings habe ich hier ein Problem mit den zu stark verfärbten Stimmen und das ist für mich ein bisschen ein Deal-Breaker, ebenso sind sie mir etwas zu überladen. Dazu würde ich mir auch mal wünschen den UE LIVE ganz ruhig und feinfühlig zu erleben. Egal was man dem UE Live versetzt, er prescht immer gleich drauf los. Für nen One-Night-Stand mal ganz spaßig und aufregend, aber nichts für ne Beziehung, zumindest nicht für mich. Ich bleibe beim 6 Pro, wenn ich mich bei UE entscheiden müsste.

Was unterm Strich bleibt, ist ein richtig guter IEM, der sich gerne in den Vordergrund drängt, aber das auch verdammt nochmal seine Aufgabe ist. Bemerkenswert ist das Zusammenspiel von den 8 Treibern, die von der 5-Wege-Frequenzweiche sehr gut kontrolliert werden.

!!! Die Bilder geben nicht das Originalprodukt wieder, sondern sind extra angefertigte Universal-Demo-Hörer von Ulimate Ears !!!

https://www.sonicdesign.ch/ue/de/

1/3

Legende

Haptik:
Hier spielt die Verarbeitung mit rein und die Nutzbarkeit des Lieferumfangs. Zusätzlich das Erscheinungsbild, Tragekomfort und die Robustheit.


Value:
Hier bewerte ich für mich subjektiv das Preis-/Leistungsverhältnis - fließt nicht in die Bewertung ein!

Z: No Brainer

A: gut investiertes Geld

B: kann man schon machen

C: gibt besseres für weniger Geld

D: überteuert

E: Liebhaberpreis

Alltag:
Hier lasse ich vor allem die Durchhörbarkeit einfließen und ob ich ihn Out-Of-The-Box gut hören kann. Das ist natürlich sehr subjektiv und daher nur ein minimaler Abzug, oder Bonus (-0.1, 0, +0.1)

Frequenzgang
UE 11 PRO

UE 11 PRO

UE 7 PRO

UE 7 PRO

UE 18+ PRO - 3rd GEN

UE 18+ PRO - 3rd GEN

UE LIVE

UE LIVE

UE 5 PRO

UE 5 PRO

UE RR

UE RR

UE 6 PRO

UE 6 PRO

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